1914
1915
1916
~1917...


Introduction
In the Austrian
army
Serbian
captivity
Italian
captivity
French
captivity
original

Úvod
V rakouské
armádì
Srbské
zajetí
Italské
zajetí
Francouzské
zajetí


Einleitung
In österreichischer
Gefangenschaft
paralell


1914

1915

1916
 
~1917...

 
 
Erinnerungen aus dem ersten Weltkrieg 1914 bis 1918.
Von Josef Šrámek aus Aussig an der Elbe

Französische Gefangenschaft
1917...
Abschrift der Originalnotizen 1940 - nach 24 Jahren
Juli den 7. (1916)

Um 4 Uhr nachmittags geht der Anker hoch und wir brechen auf........

Grüßt euch Gott Asinara und Italien. Ihr habt uns viel gegeben - Gutes und Schlechtes - aber nicht die ersehnte Freiheit!

Ihr habt uns, Gott sei Dank, von den Flöhen und Krankheiten gereinigt, von dem schlimmsten, was uns begegnen konnte.

Ich danke dir, Gott, dass Du mich hier sechs Monate vor allen Krankheiten geschützt hast, jetzt schaue ich mit neuer Hoffnung der Zukunft entgegen.

Jetzt fahren wir langsam vorwärts, das Meer ist sehr ruhig, die letzen Konturen von Asinara verschwinden.

Wir an Bord spüren zwar die Hitze aber denen im Unterdeck und noch tiefer unten geht es viel schlimmer. Sie sind noch viel mehr gepresst.
Die alten Bekannten - Roubik und Ferdinandi aus Veltrusy - fahren mit.

Um 6 Uhr abends kam der Befehl: Nicht rauchen und nicht laut sprechen. - Wovor hat man Angst? Vor wem?

Die Nacht war sehr schlimm - zeitweise sehr kalt und wenig Platz. Wir schlafen sitzend, gepresst einer an den anderen.
Juli den 8.

Morgens erwache ich mit starken Kopf- und Magenschmerzen. Ich laufe zur Latrine und stehe die zweite Seekrankheit durch, die etwa 2 Stunden dauert - eine Tasse guten, schwarzen Kaffees bringt den Magen in Ordnung. Gegen 7 Uhr abends nähern wir uns einer waldigen Küste und fahren in die Bucht des Hafens Toulon ein. Gleich ein bisschen Sicherheit,und ein neues Erkenntnis - wenn man am Meer ist , und ringsherum nur Wasser sieht, hat man den Eindruck, dass man sich nicht bewegt und niemals dem Wasser entkommt. Aber nun sahen wir Ufer, zu beiden Seiten Festungen und Leuchttürme. Im Hafen liegt ein riesiges Lazarettschiff mit rotem Kreuz, ein Panzerschiff, 5 Schnellboote, weiter U-Boote. Ganz dicht an der Mole 5 große Dampfschiffe, hoch wie sechsstöckige Häuser und lang wie eine ganze Straße. Die Leute an ihnen gleichen den Ameisen am Bahnwaggon.

Wir fassen Brot. Um halb acht steigen wir aus und gehen durch ein Kordon französischer Soldaten, lauter ganz junger Menschen, so um die 17 Jahre. Sie haben dunkelblaue Munduren, die Offiziere dagegen weiße. Wir steigen in
Personen-Eisenbahnwagen zweiter Klasse ein, immer 9 Gefangene und 1 Soldat. Die Wagen sind elegant eingerichtet, mit Plüschsitzen. So nobel bin ich als Soldat noch nie gefahren! Es ist doch ein großer Unterschied zwischen 2. Klasse und einem Viehwagen. Die Soldaten sind intelligent, sie bringen uns sofort Wasser in die Feldflaschen, so kalt, wie wir schon lange nicht getrunken haben.

Über uns fliegt dauernd ein Wasserflugzeug, das jede Weile sinkt und auf dem Wasser landet. Wir sehen große Fabriken und Magazine und riesengroße Pyramiden von Briketten. Gerade fährt ein Militärtransport mit Pferden vorbei.
In der Nacht verlassen wir Toulon.

Juli den 9. 


In den Wagen sind die Aufschriften französisch-englisch- deutsch. Wir fahren durch die Vorstädte von Toulon, wieder nach 8 Monaten sehen wir Zivilisten und grüne Wälder, die wir auf Asinara so vermisst haben.
Und was wir am meisten beobachten sind Frauen. Jeder von uns verschlingt mit seinen Augen die üppigen Töchter des französischen Südens und es bedrückt von Gedanken, die einem jungen Menschen nach 23 Monaten ohne Frauen und Liebe durch den Kopf gehen. Ach, wenn man wieder frei und zu Hause wäre, jetzt erst fühlen wir voll unser schweres Schicksal. Ich muss zugeben, dass die französischen Mädchen wirklich hübsch sind.
Aber jede 5 Schritte steht ein Soldat mit aufgestecktem Bajonett, jede unsere Bewegung und jeder Schritt wird kommentiert.
Der Zug fährt durch schöne Gärten und gepflegte Weinberge. Feigen-, Oliven- und Fichtenbäume jagen an den Fenstern vorbei, dann kommt das Vorgebirge und ein langer Tunnel. Aus dem Schlaf, in den ich wegen Müdigkeit von dem Schiff, geraten bin, weckt mich der Befehl: "Aussteigen." Wir sind auf einem ganz kleinen Bahnhof Cassis, es ist 12 Uhr 15. Weiter geht es über eine gut erhaltene aber staubige Landstraße und in einer Stunde sehen wir eine Meeresbucht. Die Straße geht dem Ufer entlang, steigt nach einer Weile in die Berge, so dass wir an Albanien zurückdenken. Ein Wegweiser an der Kreuzung meldet: Marseille - 18 km. Die Hitze ist sehr gross, wir werden müde. Am sechsten Kilometer biegen wir nach rechts ab und in einer Stunde kommen wir zum Gefangenenlager.

Es liegt in einem Becken, ringsherum lauter Berge, das alte Gebäude ist ein verlassenes Kloster. Ein schöner Park, Gebäude schöner Bauart. Im großen Viereck Zellen für 14 Personen. Etwa 500 Schritte weiter befinden sich 15 Baracken mit reichsdeutschen Gefangenen. Es folgt unsere Übergabe, Aufteilung in Gruppen und Einquartierung in die Zellen - ich schlafe sofort ein. Ringsherum um das Lager Wachen mit aufgestecken Bajonetten - uns kommt es vor als wären wir in einer Menagerie. Überhaupt, ohne Bajonett kann man keinen Schritt tun, Wasser aus der Kantine oder Menage holen, Brot kaufen, alles in einwandfreier Formation und unter Bajonett.
Die Deutschen sehen sehr gut aus in braunen Leinenmunduren und breiten Strohhüten.

An den Blusen und dem Hut haben wir ein großes P.G. und eine Nummer aufgedruckt - Prissonier de Guerre. Es gibt hier drei große Kantinen, wo man Brot, Sardinen, Käse, Limonaden kaufen kann, alles entsprechend teuer. 3/4 liter Limonade 60 cts, bis 1 Lira. Bei italienischem Geld werden 25 % abgezogen und außerdem werden italienische Münzen zurückgegeben, dadurch werden wir zweimal bestohlen.
Auch gibt es sehr oft die "Vergatterungen"- genannt "Sur Eptenut", ganze Stunden werden wir gereiht, immer neu abgezählt und von neuem formiert und man kann damit nicht fertig werden.

Juli den 10.

Morgens um 1/2 7 werden wir geweckt, bekommen eine Tasse Konservenkaffee. Um 9 Uhr 600 g Schwarzbrot und um 11 Uhr ausgezeichnete Kartoffelsuppe mit Erbsen oder Linsen, ein Stück Fleisch, groß wie ein Finger, aber sehr schmackhaft, gut gewürzt und zubereitet, mit viel Gemüse. Alles wird in Schüsseln für je 10 Mann verabreicht.
Täglich gehen 600 bis 800 Mann fort.Wir kommen morgen an die Reihe. Alle werden für zwei Tage versorgt mit Brot, ein Stück Speck und 1 Konserve Ölsardinen pro Tag. Man gliedert uns nach den Gewerben, aber dann wird alles wieder durcheinandergemischt abgesandt.

Juli den 11.

Die französische Armee sieht recht bunt aus, fünfundsechzigjährige Männer und 18jährige Rekruten in schwarzen, blauen, braunen, weißen oder grünen Monturen, eine Freude für die Augen. Die Offiziere sind größtenteils Pensisten oder Invaliden, aber intelligent und viel anständiger als die Italiener. Man muß zugeben, dass sie uns anständig behandeln. Schade nur, dass wir sie nicht verstehen, alles ginge besser. Wie überall, so auch hier gibt es Leute, die wir Chacharen nennen, die sich überall rücksichtslos nach vorn drängen und wie Vieh benehmen und oft starken Widerwillen unter uns verursachen.
Eine große Hitze gibt es hier - gleich wie auf der Asinara - schade, dass wir nicht unter die Bäume rund um das Lager gehen können. Wie uns die Grüße von zu Hause fehlen, die uns immer so gefreut haben. Wann und wo werde ich Gelegenheit haben? Täglich spielen wir Karten.

Juli den 13.

Gleich früh gibt es eine Vergatterung, wir fassen Proviant für 3 Tage - anderthalb Brot, 4 Stück Speck, 3 Konserven Ölsardinen. Um 10 Uhr letzte gute Menage und los zur Station Cassis. Von Weitem sehen wir einen neuen Transport, der eben von Asinara kommt, aber einen anderen Weg geht, so dass wir uns nicht treffen. Vor dem Bahnhof ein großer Transport von Negern, die uniformiert sind und uns ihre weißen Zähne zeigen - sie gehen mit uns als Bewachung haben die Finger voll von Ringen und machen Aufhauer.
Wir sitzen zu zehnt in Wagen 2. und 3. Klasse und fahren nach Marseille.
Um 2 Uhr Abfahrt - wir fahren durch 2 lange Tunnels und um 4 Uhr fahren wir weiter vom Marseiller Bahnhof über die Bahnlinie P/LM, d.h. Paris - Lion - Marseille, die zweigleisig ist und mit großem Aufwand errichtet wurde, lange Tunnels wechseln mit hohen Brücken. Die Tafeln entlang der Bahnlinie geben ihre Länge an - 834 km. Eine Zeit fahren wir am Meer entlang - dann kommen Gebirge, Felsen, Wiesen, weidende Viehherden, Felder, Weinberge.

Der Zug fährt ziemlich schnell, hinter den Fenstern jagen Ziegeleien, Keramikfabriken vorbei. Am Kilometer 802 eine große Stadt "Miramar ?" und danach eine unübersehbare Ebene. Wir nehmen das Abendessen ein und ich schlafe sitzend ein. In der Nacht die Station "Orange".

Juli den 14.

Morgen um 1/2 8 am 582. km Roues, wir haben also in der Nacht über 200 km zurückgelegt, wobei unsere Negerbewachung durch das 302. Bataillon ausgewechselt wurde, es sind alles alte Leute. Wir sind ganz zerbrochen, wir haben sitzend geschlafen. Am 778. km zwischen lauter Weinbergen Arles, weiter die Station Wienne - mit großen Keramikfabriken. Am 509. km Lyon, eine riesige Stadt mit breiten Gassen, schönen Palästen und vielen Fabriken.
Um 1/2 9 bekommen wir jeder einen Trinkbecher schwarzen Kaffee und fahren weiter. Bis jetzt sind wir mit den Franzosen zufrieden. Sie behandeln uns artig, reichen uns in die Wagen Wasser, und die Mädchen winken uns und schicken Küsse. Wahrscheinlich irren sie sich und denken, dass wir Italiener sind, da wir italienische Munduren tragen.

Auf Parade wird hier sehr gehalten.
Wie überall, so auch hier, was gesunde Beine hat, wurde mobilisiert von 16 bis 60 Jahren. Die Frauen vertreten die Männer auf den Bahnen, im Stadtverkehr und überall.
Am 482.km Lozane, ringsherum lauter Wiesen mit großen Mengen von weidendem Vieh. Auch ist deutlich, dass wir zum Norden fahren, hier hat die Ernte noch nicht angefangen, unten war schon eingebracht.
Es it ein kühler wolkiger Tag, die Bewachung wechselt wieder, das Bataillon 85 tritt ein.
Am 380. km Taras-le-Mars - vom Roten Kreuz wird uns Kaffee verabreicht.
Am 349. km Moulins mit einem riesigen Bahnhof, hunderten von Getreidewagen und großen Magazinen.
Am 314. km St. Pierre, wir begegnen einen Rot-Kreuz-Zug mit Verwundeten. Abends um 1/2 7 Sangaze, wieder Bewachungswechsel durch Batailon 123. Schwarzer Kaffee. Komisch wirkt, wie wir auf jedem Bahnhof die Wagen massenhaft verlassen und zu den Aborten laufen. Wie bei einem wirklichen Sturm in Schwarmlinie.
Am 275. km teilt sich die Bahn, eine führt nach Paris, die andere nach Bordeaux. Nachts hinter der Station St. Pierre fahren wir durch eine große Stadt, den Namen haben wir aber nicht erfahren.

Juli den 15.

Um 5 Uhr morgens "Tours", die Bewachung wird gewechselt gegen das 3. Bataillon der französischen Kavallerie, ausgestattet mit Helmen mit langen Roßhaarschweifen. Hier teilt sich auch unser Transport. Ich verabschiede mich vom Roubik und Ferdinandi und wir fahren ab. Um 9 Uhr wieder Bewachungswechsel. Wir fahren durch eine Stadt, wo uns besonders die Frauen angaffen. Es ist sehr demütigend, so als Wildtier beobachtet zu werden. Ach, wann endet endlich dieses unglückliche Schicksal, wann werden wir wieder frei ?

Um 3 Uhr nachmittags fahren wir in eine große Stadt ein - Les Sables de Otone beim Atlantischem Ozean, also vom Mittelmeer zum Atlantik! Diese große Industriestadt mit einem regelrechten Wald von Fabrikschornsteinen und vielen Schiffen ist unser Ziel.

Wir werden zu einer Brikettfabrik geführt, wo uns die verrußten Gesichter der "Reichsdeutschen" Gefangenen begrüßen. Sie arbeiten hier und sind angeblich ziemlich zufrieden. Sie heißen uns freundlich willkommen und tragen sofort die Strohsäcke herbei. Sie schlafen in einem großen Lagerraum und sind zu uns recht freundlich. Haben hier eine eigene Kantine, Bücherei, eine eigene Kapelle, die zu unserer Begrüßung den Radetzki-Marsch spielt. Bewirten uns mit guter Menage und gutem Kaffee. Ich lege mich nieder und bin glücklich, dass ich die erstarrten und verzerrten Glieder strecken kann. Wir werden nie diese freundschaftliche Begrüßung vergessen, sie haben mit uns alles brüderlich geteilt. Wir erzählen mit ihnen lang in die Nacht.

Juli den 16.

Heute haben wir einen Rasttag. Die Deutschen sind zu uns sehr freundlich - sie gaben uns heute dreimal Essen, obwohl sie für uns nichts gefasst haben. Auch Brot geben sie uns und behandeln uns wie Brüder. Der französische Korporal fragte sie: "Habt ihr euch mit den Austriaci nicht geprügelt? " Eine törichte Frage! Warum sollten sie auch? Dreimal am Tag werden wir abgezählt, abends gab es ein großes Konzert, wurde die österreichische Hymne und das Deutschlandlied gesungen. Sie haben sehr gute Menage und sehr gutes Brot. 

Juli den 17. 

Wir werden in Gruppen zu je 20 Mann aufgeteilt und nach dem Mittagessen zum Bahnhof geführt. Wir steigen in einen Lokalzug ein, es ist eher eine Straßenbahn, die durch die Straßen fährt. Überall werden wir griesgrämig wie Wild beobachtet, geballte Fäuste und Drohungen, Beschimpfungen "Bosch", "Kaut" (hier wissen wir nicht, was das bedeutet, aber bestimmt nichts Gutes). Unsere Gruppe besteht aus 2 Tschechen, 6 Deutschen, 1 Ruthene, 3 Dalmatinern, 8 Kroaten - 20 Leute stellen ein kleines Bild unseres lieben Österreichs dar! Um 4 Uhr steigen wir aus und gehen 8 km in ein Dorf mit einem schönen Schloß und einem kleinen Kirchlein. Wir werden in ein kleines Haus mit drei Zimmern geführt, 2 für uns und einem für die Bewachung, für 20 Leute gleich 5 Bewacher. Es sind hier schon Bretter und Stroh vorbereitet, aber keine Decken, die sind noch nicht angekommen.
Wir bereiten uns die Lagerstätten. Inzwischen kamen 4 Zivilisten, die uns für die Arbeit aussuchen wollen, aber es ist schwer - niemand von uns kann französisch und sie sprechen nur französisch.
Deutsch hilft uns nichts - niemand versteht es. Das ist charakteristisch für die Bildung der Franzosen. Jeder von uns verständigt sich außer der Muttersprache in 2 weiteren Sprachen.
Wir sprechen einer nach dem anderen und versuchen uns zu verständigen tschechisch, deutsch, ungarisch, kroatisch, rumänisch, italienisch sogar ein bißchen englisch. Alles vergeblich - wie mein Vater sagt: nichts zu machen.
Endlich sind wir aufgeteilt je zu 5 und die Verhandlung ist zu Ende.

Juli den 18.

Wir stehen um 4 Uhr auf und wir fünf gehen zur Arbeit in das Schloß. Zuerst räumen wir den Schuppen, unseren zukünftigen Speiseraum, und bekommen das erste Frühstück. Eine Tasse süßen schwazen Kaffee und gutes Weißbrot. Dann bekommen wir Heugabeln und gehen auf die Wiese das Heu wenden.

Mittags brachte man uns das Essen auf die Wiese, Bohnen, die wirklich schmackhaft zubereitet waren, weiter ein Eintopfessen, das zwar schrecklich aussieht, aber zu essen ist, besonders wenn man Hunger hat. Ein schöner Anblick auf uns 5 Männer, die wir um die Schüssel sitzen und uns füttern. Das gute weiße Weizenbrot wird von riesigen Laiben zugeschnitten ist wirklich sehr gut und dazu ein Liter Weißwein (könnte auch mehr sein). 2 Stunden Rast. Zum Abendessen wieder Eintopf - gekochtes Brot, Möhren, Rüben, Bohnen, Kartoffel, Kraut - alles zusammen.
Das weiße Weizenbrot und hauptsächlich der Umstand, dass wir immer genug bekommen haben, zusammen mit dem guten Wein, versöhnten uns mit dem französischen Lande. Diese 2 Sachen haben uns gesund gemacht und die warme Südsonne zusammen mit dem tiefen und ruhigen Schlaf haben uns gestärkt. Manchmal kam zwar der Schlaf zu kurz - wir haben mit der Arbeit um 5 Uhr angefangen (d.h. um 4 Uhr aufstehen) arbeiteten bis 7 Uhr abends mit einer Rast (Schlaf) von 2 Stunden mittags, wenn die Hitze am größten war. Das Essen der südfranzösischen Landbevölkerung - Bohnen, Schweinefleisch, Geflügel, Eier, Butter, Gemüse - und der gute Wein haben uns gestärkt. Ich weiß nicht, wie es den Kameraden in den Fabriklagern ging, aber wir wollten bei den Landarbeiten den Krieg zu Ende führen. Wir haben uns an die Landarbeit gewöhnt und die Bevölkerung hat sich an uns gewöhnt, hie und da haben sie uns auch gern gehabt, aber überall haben wir uns mit ihnen besser vertragen als die Deutschen. Mit der Zeit haben sie begiffen, wer wir sind und machten Unterschied zwischen Autrichien und Bosch. Und wenn noch später wir gelernt haben sie zu verstehen und mit ihnen sich zu verständigen, haben sie uns wirklich gern gehabt und erleichterten uns unser Schicksal, wie sie nur konnten.
Und unsere Burschen, gut gewachsen und rüstig haben sich mit der Zeit in Ordnung gebracht, rasierten sich, und waren sauber und gepflegt, Bärte unter den Binden, haben auch vertraute Beziehungen mit den Mädchen und Frauen der Soldaten angeknüpft. Es war zwar verboten und streng gestraft, deswegen waren die Wachen hier, die mit uns zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause gegangen sind, über Nacht uns einsperrten, bestimmt nicht aus Angst, dass wir fliehen, aber damit wir nicht in Berührung mit der Zivilbevölkerung gelangen.

Mit der Zeit hat aber die Disziplin nachgelassen, die Bewachung hat auch ihr besseres gefunden, und wenn unsere Burschen den ganzen Tag über zusammen mit den Arbeitern und Arbeiterinnen auf den Feldern, in den Schuppen und Ställen waren, war es schwierig diesen Kontakten entgegenzukommen. Es wurden viele Freudschaften und Lieben geschlossen und wenn die Sache allzu öffentlich wurde, sind die Gefangenen einfach in ein anderes Dorf versetzt worden, manchmal in einen anderen Kreis und das war ein Ende der Liebe. Die Beharrlichen haben zwar auch hier Möglichkeiten gefunden, sie fanden einen bereitwilligen Franzosen, der bereit war, einen Liebesbrief, zuzustellen. Aber auch mit den Liebesbriefen waren Schwierigkeiten, nämlich mit ihrem Schreiben, aber langsam haben wir auch das geschafft. Wieviel solche Liebesbriefe habe ich für die Kameraden geschrieben. Sie hatten immer die gleiche Form: "Ma cherie Viktorine, Germaine, Lussete u.s.w. Je pense - je ne - oublie jamais u.s.w." Ihr Kameraden Waldemar, Nováèek, was blieb übrig von diesen Verheißungen? Aber macht nichts trotzdem, es war eine Verschönerung unseres armseligen Lebens, das tägliche Zusammentreffen mit den im Grunde guten und mitleidigen Dorfbewohnern. Ihr oft gehörtes "Pauvre enfants" und ihr zuvorkommendes Ausfragen, woher wir kommen, wie stehen die Sachen bei uns, wie leben wir, beschäftigte unsere Sinne sehr oft. Schwierig haben wir uns mit ihnen verständigt anders wie mit Händen. Übrigens waren die guten Dorfbewohner sehr unwissend, sie hatten keine Ahnung, wo unsere Heime liegen. Und wenn wir den Fehler gemacht haben und wollten sie belehren, dass wir weder Bosch noch Autrichiens sind, sondern de la Boheme, dann war alles verloren. Le Boheme bedeutet Zigeuner und sie haben sich sofort gewundert, dass wir keine schwarze Haut, sondern blonde Haare haben. Manchmal kam ein wirklicher Zigeuner mit einem Bären und da gab es uns viel Mühe ihnen zu erklären, wer wir eigentlich sind. Erst viel später, als wir französisch gelernt haben konten wir ihnen erklären dass wir Tschechen - le Tschechy - sind. Aber dann kam immer eine Übersiedlung wo anders hin und wir kamen wieder in eine ganz neue Umwelt. Sie fragten nach unseren Familien, wir zeigten die Fotografien und erklärten, wie man bei uns lebt. Unsere Burschen haben groß getan, alles war besser, vollkommener und gescheiter.
Aber mit vollem Recht konnten wir uns rühmen, in allem waren wir voraus - in der Feldbebauung, in dem Haushalt, in der Küche, in der Bildung. Es gibt hier viele Leute, die nicht lesen können, in der Küche haben sie offenes Feuer und darüber einen Kessel an der Kette, dazu eine Pfanne. Geheizt wird mit Reisig oder mit getrockneten Kuhfladen, die man im Sommer trocknet und stapelt. Was man nicht kennt, sind Knödel, Buchteln, Kuchen. Suppen gibt es nur Brotsuppen oder Gemüsesuppen, Schweinefleisch und Geflügel nur gekocht, nie gebraten. Aber Bohnen morgen, mittags und abends und man isst viel Brot. Kartoffeln nur wenig, und nur gebraten. Aber alles zubereitet auf guter Butter und kein Bier, nur Wein und wieder morgens, mittags und abends. Und was für ein Wein! Zu Hause angebaut und gepflegt. Und wie billig - 1 chop, etwa 4 Zentiliter für 15 ctm. - Aber meistens brauchte man kein Geld. Überall wurde uns eine Kostprobe angeboten und dann immer von neuem nachgegossen. Als wir nach Jahren nach Hause zurückgekehrt sind, nirgends schmeckte uns der Wein, weil er dem südfranzöschem nicht gleichkommen konnte.
Und noch eine Spezialität in den Gegenden am Meer, wo wir bei den Bauern gearbeitet haben, -
Fische, Austern und Schnecken. Als man uns anfangs eine Schüssel mit Schnecken auf den Tisch gab, niemand von uns griff danach - wir ekelten uns davor. Unser Magen hob sich, als wir sahen, wie sie essen und die Austern ausschlürfen. Sehr lang hat es uns gedauert, bis wir gelernt haben mit einem Messer sie zu öffnen und auszusaugen. Ebenso die in Knoblauchsoße gekochten oder auf einem Blech gebratenen Schnecken, oder kleine Fische, die eher wie Regenwürmer aussahen und andere uns unbekannte Meereslebewesen. Aber wir haben uns daran gewöhnt, ebenso wie auf Holzschuhe, die die Lederschuhe ersetzt haben.

Und die sich immer wiederholende Speisekarte, schmackhaft zubereitetes Kraut, Bohnen, Schweinefleisch, Eier und Brot, haben uns beim Appetit erhalten. Anfangs haben wir - der Vorschrift gehorchend - getrennt gegessen und immer wieder, was auf den Tisch gekommen ist, wurde aufgegessen. Wenn die Bäuerin so unvorsichtig war und auf den Tisch einen ganzen Klumpen Butter gegeben hat, fand sie nichts davon. Wir haben davon mit Löffeln abgeschnitten und in vorbereitete leere Konserven-Blechdosen "für später"
versteckt. Später wurden sie schon vorsichtiger und teilten jedem seine Portion ab.

So ging es die ganze Woche - Sonntags hatten wir frei und uns selber gekocht. Der Dorfvorsteher brachte uns Brot, Fleisch, Fett, Bohnen und Salz und jeden Sonntag machte ein anderer von uns den Koch und bemühte sich, dass sein Mittagessen gelobt wird. Mit der Zeit haben wir gelernt, das Essen mit dem aufzubessern, was wir in der Woche eingespart haben, der eine ein Stück Fett, der andere Bohnen oder ein Stück Fleisch. Und noch später hat die Bäuerin dem, der an der Reihe war, selbst etwas zugesteckt, damit unser Sonntagsessen ausgiebiger wird.


Einer machte den Koch und die anderen haben die Wäsche gewaschen, die wir schon Samstags in dem kleinen Teich am Haus "eingeweicht" und, damit sie nicht weggeschwemmt wird, mit Steinen beschwert haben. Sonntags früh kam es dann zum Waschen, mit einer Reisbürste und einem Stück Seife rieben wir unsere elenden Hemden und Unterhosen, im Teich haben wir sie dann ausgeschweift und am Zaun getrocknet.

Die ersten vier, die mit dem Waschen fertig waren, setzten sich zum Kartenspiel, die anderen rasierten sich, pflegten ihre Bärte oder schrieben Postkarten nach Hause.

Nach dem Mittagessen haben wir uns im Garten niedergesetzt, flogen in Gedanken zu unseren Lieben in der Heimat oder haben gesungen. Das immer, wenn die Dorfschönen auf der Straße an unserem Haus vorbei spazierten und neugierig über den Zaun hineinguckten.

Als wir etwa den 3. Sonntag zu Hause waren, kam Montag früh der Befehl, alle Wäsche und Anzüge stempeln. Der Bewacher brachte Blechmatrizen, zu Hause war aber nur der kranke "Jara", ein geschickter Kerl, der alles reparieren konnte, von den Uhren bis zum Pflug, Schuhe und Ofen, der aber weder lesen noch schreiben konnte, was wir aber erst viel später festgestellt haben, weil er das sehr gut geheim halten konnte, weil er sich dafür schämte und keine Briefe schrieb und keine erhalten hat. Also der liebe Jara bekam die Matrizen und eine waschechte Firnisfarbe und hat angefangen zu drucken, wie ihm befohlen wurde: P.G. und eine sechsstellige Nummer. Aber was für ein Malheur es war, als abends der Bewacher vom Spaziergang zurückgekommen ist und zu seinem Erschrecken festgestellt hat, das auch die Wäsche aller Bewacher, die auf dem Gartenzaun zum trocknen hing, bedruckt ist. Da ließ sich nichts machen, die Farbe war so stabil, dass sie das Hemd überdauert hätte!

Juli den 19.

Schon um 4 Uhr Tagwacht, Kaffee und dann schnell los zur Heumähe. Wir arbeiten, als hätten wir 5 Kronen pro Tag. Mittags Mahlzeit, wie gestern, abends Eintopf, dann Kartoffelgulasch und als dritter Gang noch Milchbrei. Es war schon finster, als wir nach Hause kamen (im Juli!) ein wenig zu viel Arbeit für 20 ctm. Wir werden dauernd bewacht, auch auf dem Feld sind sie mit uns und abends machen sie einen kurzen Prozeß - damit sie keine Wachen stellen müssen, sperren sie uns einfach mit einem großen Kessel als Nachttopf im "Schlafzimmer" ein. Da die Fenster und Türen gut abgedichtet sind, haben wir die ganze Nacht herrliches Aroma. 

Juli den 20.

Wir haben das italienische Geld zum Umtausch abgegeben und bekamen neue Instruktionen. Wir dürfen nach Hause an einem Sonntag eine Karte und am anderen einen Brief schreiben.
Heute ist der Arzt gekommen und visitierte unsere 2 Maroden.
Abends bin ich wie zerschlagen, ich bin solche Anstrengung nicht gewöhnt.

Juli den 21.

Wir arbeiten immer noch bei der Heumähe, die Menage ist von Tag zu Tag besser, morgens Kaffee, Brot und Butter, mittags Brotsuppe, Bohnen, Butter und ein Glas Wein. Abends Brotsuppe, Kartoffelgulasch, Milchbrei, Salat, Brot. Das ganze Geld müssen wir abgeben, wahrscheinlich deswegen, damit wir nicht ein Auto kaufen können und entfliehen.

Juli den 22.

Wir haben Strohhüte mit der Kennzeichnung P.G. bekommen. Heute gab es zum Abendessen prima Blutwurst.

Juli den 23. 

Sonntag, Gottestag, wir schlafen länger, kochen Kaffee, waschen, ich schreibe eine Karte nach Hause. Oh, was für ein Unterschied zwischen den Sonntagen vor zwei Jahren und heuer, wie wir alle uns nach der goldenen Freiheit sehnen! Der Barbier ist heute gekommen
und rasierte uns alle.

Juli den 27. bis 30.

Tag für Tag vergehen in stetiger Arbeit. Wir behacken Gemüse und Rüben, mähen Weizen und anderes noch. Sehr viel Plage, ich bin immer froh, wenn es Abend ist. Die Verpflegung ist gut und genug. Brot ist fabelhaft, die Speisen sind meistens auch gut und recht verschieden, manche habe ich nicht gekannt. Gekochte Bohnenschoten mit Butter, Bohnen, grüne Erbsen, zweimal am Tag Salat. Manchmal ein Stück Fleisch. Kaufen können wir nichts, das Geld hat man uns abgenommen. Schade, dass wir uns nicht verständigen können, es ginge uns noch besser. Man ist nicht arg auf uns. In der Wirtschaft sind sie sehr hinter uns. Ihre Küchen, ebenso wie im arnautischen Albanien, ohne Dach mit verrußten Balken, Feuerstätte wie in Serbien ein Kessel an einer Kette und Feuer darunter.

Juli den 30.

Und wieder Sonntag - wie wir uns auf diese paar Freizeitstunden freuen! Ich wasche und stopfe die Wäsche, schreibe nach Hause und 4 Karten nach Aussig - F.T., A.S., A.M. und Kohn u. Kornfeld.

Oh, wie sehne ich mich nach der Heimat, nach euch, meine Eltern! Ich verliere die Hoffnung auf die Rückkehr. Wie glücklich ich war vor zwei Jahren und heute? Ein trauriges Jubiläum haben wir in diesen Tagen gefeiert - 2 Jahre Krieg! Wann endet dieser unglückliche so oft verdammte Krieg? 

Heute ist es außerordentlich heiß.

August den 8.

Wieder ein Sonntag - wir waren im hiesigen Kirchlein - ein schöner Anblick ist auf uns. Zu zweit gereiht, vorn und hinten ein Soldat mit dem aufgesteckten Bajonett - die Einheimischen beobachten uns wie wilde Tiere.
Die Kirche ist schön geschmückt - die Bäuerinnen im schwarzen Kleid mit weißen Hauben und in Holzschuhen. Ich bete für die Eltern und für die glückliche Rückkehr.
Wir beobachten einen für uns neuen Brauch - beim Offertorium geht ein Junge mit einem Korb und jeder nimmt ein Stück Weißbrot und isst es.

Wir haben die Lohnung für 12 Tage - Fr 2,40 - in Bezugscheinen, die von uns als Zahlungsmittel entgegengenommen werden, bekommen.

Jeden Sonntag kommt der Barbier und rasiert uns.

Die ganze Woche arbeiten wir fleißig, es ist Ernte. Wir mähen den Weizen mit vorsintflutlichen Sicheln und binden ohne Garbenbänder. Wir alle schwitzten, wie es sich gehört.
Drei Tage haben wir am Nachbarhof gearbeitet, aber die Kost ist auf unserem besser. Am Samstag haben wir gemäht und sehr gutes Abendessen bekommen.

Immer wieder erinnert uns die hiesige Gegend an Albanien und die Arnauten, Räume, Herde, Zweiradwagen, Ochsenkumte und Scherpen um die Hüften der Arbeiter.

Die Leute sind nicht böse und wir hätten bestimmt gute Zeiten, wenn wir uns verständigen könnten.
Gestern haben wir uns gewogen - ich habe 63 kg.
Ich habe mir ein Messer für 50 cts.gekauft - 2 1/2 Tage Schinderei in den Feldern.
August den 13.

Wieder 6 Tage Plage hinter uns. Ich bin wirklich froh, wenn der Sonntag kommt. Abgerackert ist man nach der ganzen Woche genug. Diesmal haben wir gemäht und gebunden und hatten elende Menage. Erst samstags haben wir wieder beim alten Bauer gearbeitet.

Am meisten ärgert mich, dass ich zusammen mit den Kroboten bin - das ist ein Gesindel, schlimmer als das Vieh.
Die Franzosen berichten uns über große Niederlagen der Österreicher, in Galizien soll sich der General Bothner mit der ganzen Armee ergeben haben.

Wir bekommen die Entlöhnung für 9 Tage, Fr. 1,80.

August den 15.

Feiertag - Mariä Himmelfahrt - Wir arbeiten nicht und gehen in die Kirche. Am meisten ärgert mich wie uns die Einheimischen neugierig beobachten. Sie sind nicht schlimm, sie möchten mit uns gern sprechen und bieten uns das Schnupfen und Rauchen an. Von den Jungens zwischen 14 bis 15 Jahren hat ein jeder eine Tabakdose und schnupft. Eine Gewohnheit im fortschrittlichen Frankreich. Die Mädchen tragen wieder ab 7 Jahren Schnürleibchen und dabei haben sie nur Holzschuhe.

August den 20.

Sonntag - Wie gern ruhen wir aus - 2 Tage haben wir bei einer Dreschmaschine gearbeitet, große Schinderei war es, aber auch viel zu essen, viel Wein und das ist die Hauptsache.
Wir gehen, die ganze Gruppe, mit der Dreschmaschine von Haus zu Haus, von einem Schober zum anderen. Scheunen kennt man hier nicht - Stroh bleibt auf dem Feld in Schobern. Es war eine große Rackerei, den ganzen Tag in Hitze und Staub die Garben auf die Maschine zu reichen. Dreschen ist hier ein Fest, bei dem die Bäuerin ein Festessen bereitet und versucht, ihre Nachbarin zu übertreffen.
Es besteht aus der Suppe, 2 bis 3 Braten, hauptsächlich Schafsbraten, viel Gemüse, Salate, Eier und als Krönung Schnecken, Austern und Fische. Bei erster Gelegenheit wußten wir nicht was mit den Schnecken anzufangen. Ein besonders gescheiter Krobot wollte sie auf dem Tisch mit der Faust wie Nüsse zerschlagen.

Ich vertrage mich schlecht mit den Kroboten, sie wissen, dass ich sie nicht gern habe und sie vergelten es mir, wo sie nur können. Wie kam ich nur zwischen dieses Gesindel?
Die Speisekarte bei der Dreschmaschine: morgens weißer Kaffee und Butterbrot, vormittags "popera", (Brotsuppe), Ente in Möhren, Kartoffeln mit Butter, Mischsalat und "Katschamak“ (Grießbrei, stark gesüßt). Zum Mittag- und Abendessen Brotsuppe, Katschamak. Schnecken in schmackhafter Soße. Wir haben sie schon essen gelernt und sie schmecken uns fabelhaft.
Die Einheimischen fangen an, uns zu achten, sie essen in der Küche und uns setzen sie in das Extrazimmer. Es stehen dort große Betten, hoch gebettet, man liegt bei der Decke, ich möchte nicht nachts herunterfallen. Himmelbetten a la Luis XV., große lackierte Schränke, Standuhren und ..... gestampfter Lehmboden.
Am Festessen nahmen 32 Personen teil, selbstverständlich unsere gesamte Bewachung samt dem Korporal. Sie ziehen mit uns und mit der Dreschmaschine von einer Nummer zur anderen und schmausen mit uns. Die einheimischen Arbeiter: Mädchen und Jungen zwischen 7 und 12 Jahren.
Wein trinken wir jeden Tag viel. Mir wurden die italienischen Liren für Franken umgetauscht: für 35 Liren - 29,80 Fr., also wieder 15 % Abzug.
Heute wurden wir geteilt - 10 Mann gingen ins Nachbardorf, die schlimmsten Schreihälse, Gott sei Dank.
Übermorgen werden es 2 Jahre, dass ich dem Kaiser hier an der Dreschmaschine und auf dem Feld diene. Ich habe mir Butter, Brot und Sardellen gekauft, koche Kaffee und mache mir einen gemütlichen Sonntag. Schreibe Briefe nach Hause, Postkarten an L.F., A.M., F.T. und K.u.K.
Ich habe leichte Waschhosen, Bluse und Lederschuhe aus alten Militärschuhen aber mit Holzsohle gefasst. Die Einheimischen haben eine schlechte Gewohnheit - sie kauen Tabak und spucken aus.

August den 26.

Samstag - eine Überraschung für uns: wir gehen nicht zur Arbeit, der Arzt kommt und impft uns. Diese Woche haben wir 3 Tage an der Dreschmaschine gearbeitet und gut gegessen. Jetzt sind wir wieder beim Schloss und sägen Holz.

Im Schloss beobachten uns dauernd Frauenzimmer - wir wissen nicht wer und was für welche das sind. Täglich ziehen sie sich 7mal um, sind fesch aber schrecklich geschminkt und aufgeputzt. Wir könnten uns aber in keine verlieben, unsere Sehnsucht ist ganz wo anders, hier haben wir kein Interesse. Heute brachten sie eine mit, die deutsch sprach und alles mögliche wisssen wollte. Alle sind Koketten!

Ein Diener brachte mir in der Tasche eine fabelhafte Flasche Wein, er hat angeblich den Sohn in deutscher Gefangenschaft und bemitleidet uns sehr - ja, das gemeinsame Leid nähert die Leute einander.

Eine neue Nachricht - Rumänien steht im Krieg mit Österreich.
Die Löhne vom 10. bis 20. August betragen Fr 1,40.

Heute früh haben wir die Gräfin, die Gutsbesitzerin, gesehen. Sie ist eine schlanke Brunette und ihre Tochter, die Komtesse, eine wunderbar bekleidete Blondine.

Meine Anschrift: Josef Šrámek, en equippe agricolete, Porroux par Avrile, Vendee-France.



 



 
1914
1915
1916
~1917...


Introduction
In the Austrian
army
Serbian
captivity
Italian
captivity
French
captivity
original

Úvod
V rakouské
armádì
Srbské
zajetí
Italské
zajetí
Francouzské
zajetí


Einleitung
In österreichischer
Gefangenschaft
paralell


1914

1915

1916
 
~1917...