1914
1915
1916
~1917...


Introduction
In the Austrian
army
Serbian
captivity
Italian
captivity
French
captivity
original

Úvod
V rakouské
armádì
Srbské
zajetí
Italské
zajetí
Francouzské
zajetí


Einleitung
In österreichischer
Gefangenschaft
paralell


1914

1915

1916

~1917...


Erinnerungen aus dem ersten Weltkrieg 1914 bis 1918.
Von Josef Šrámek aus Aussig an der Elbe

In serbischer Gefangenschaft

1915

Dezember den 9. (1914)

Kragujevac ! Nach dreitägigem Marsch voller Strapazen und Plagen. Das erste, was die "slawischen Brüder", Serben, getan haben, dass sie uns die Mäntel ausgezogen und sie selber angezogen haben. Mit den Schuhen dasselbe. Alles, was irgendwie Wert hatte, Wäsche, Decken, Uhren, Geld, das alles passt ihnen. Unsere ganze Verpflegung für 3 Tage war 3 Hälften Brot. Die ersten drei Nächte schliefen wir auf Schnee und machten erste Bekanntschaft mit den türkischen Stöcken, Batinen genannt.

Dezember den 12.

Heute sind wir in Skoplje angekommen. Drei Tage und Nächte im Viehwagen gepresst, wo es nicht möglich war zu sitzen. Zuerst haben sie uns durch die Stadt hinund hergefahren, dann haben sie jedem 1 Brot und ein Stück Speck gegeben und los! Das war eine schreckliche Fahrt. Hier habe ich die ersten Läuse bekommen, eine serbische Nationalunerlässlichkeit, die ich nicht los wurde, solange ich in Serbien war.

Dezember den 15.

Wir sind schon einquartiert. Einstige Pferdeställe, schlecht für das Vieh, doch gut genug für die "Schwaben". Wir sind hier einige Tausende zusammengepresst. Die Verpflegung immer dieselbe, Krautsuppe und Schafsfleisch. Ich schreibe die erste Karte nach Hause. Vorläufig gehen wir nicht zur Arbeit. Das Wetter ist hier herrlich, wie bei uns im Mai.

Dezember den 20.

Es verbreiten sich Krankheiten unter uns, Typhus und Disenterie. Täglich sterben immer mehr Leute. Schuldig ist die schlechte Verpflegung, die Unsauberkeit, wie auch das elende Wasser. Man verbietet uns es zu trinken, aber es gibt nichts anderes und die Suppe ist lauter Paprika. Die Läuse haben sich vermehrt. Es gibt keine Möglichkeit, die Wäsche zu waschen, und zu trocknen umso weniger. Deshalb muss ich sie bürsten. Sie sind überall, im Hemd, in den Socken, in der Bluse, im Mantel und der Mütze. Man findet sie in den Haaren, im Bart, einfach überall. Wenn du deren im Hemd 150 findest, ist das nicht so viel. Wenn du sie einen Tag beseitigst, bist du am nächsten Morgen deren wieder voll.
Wir liegen auf Erde, Stroh gibt es nicht, und dazu darf man nicht am Rücken liegen, nur an der Seite, um Platz zu sparen. Am schlimmsten ist es nachts, wer heraus gehen will, kommt nicht durch, tritt den anderen auf Beine, auf den Kopf. Unerwartet bekommt er einen Hieb.
Der Stock herrscht hier auch tagsüber, besonders in den Händen des Gospodin Kapitän Dogitsch - er ist wahrhaft ein tierischer Kommandant. "Ich bin euer Gott, ich kann euch totschlagen" - das ist seine Parole. Und unsere Aufseher - es sind Kroaten und Bosnier - machen tüchtig mit, schlagen und ohrfeigen uns bei jeder Begegnung. Für nichts bekommt man einen Schlag mit dem Ochsenziemer, wenn man schnell verschwinden kann, hat man Glück.

Dezember den 24.

Der Heilige Abend. Wie viel Erinnerungen laufen durch den Kopf. Was für ein Unterschied gegenüber dem Vorjahr. Was machen meine Eltern in dieser Weile. Es dämmert, ich liege im erhobenen Bett - in der Krippe. Ich habe mich hergelegt, um nicht in dem Dreck zu schlafen und auch deshalb, weil die Läuse nicht so einfach hierher hochkommen. Ich liege und denke zurück an meine Heimat, die so entfernt ist. Ein paar kleine Äpfel, für 1 Dinar Schokolade, das ist mein Festmahl. Und es gibt viele, die sich nicht einmal das leisten können. Alles wird still - wohl jeder ist in Gedanken Zuhause, wenn es hier besseres Licht gäbe, könnte ich in manchen Augen Tränen sehen. Wie traurig ist uns im Herzen. Ich lausche - dort aus der Ecke vom 102. Regiment ertönen zaghaft die Töne des Liedes Kde domov mùj - Wo ist mein Heim. Jeder ist gerührt, die Stimmen mehren sich und durch unseren Stall klingt erhaben das Lied, das unsere Gefühle äussert. Tiefe Stille, und dann plötzlich ertönt das Weihnachtslied Narodil se - Christus ist uns geboren. Und wieder Stille. Jeder denkt nach. Dann gibt es Abendessen und ich bereite mich auf die Christmesse vor. Alle, die lange nicht mehr gebetet haben, bitten den, der der Welt den Frieden brachte, um baldigen Frieden auch für uns und um baldige Rückkehr. Wann wird es sein?

Dezember den 27.

Die Feiertage sind vorbei. Am ersten Weihnachtsfeiertag habe ich den ganzen Tag gearbeitet und gefastet. Ein Stück Käse und Brot, das war mein Mittagsessen.
Täglich gehen wir zur Arbeit. Sie ist verschieden - am Bahnhof, auf einem Bau, reinigen, hacken, Heu pressen, Wege bauen. Morgens um halb sechs jagt man uns auf den Hof, wo wir eine Stunde in Regen und Kälte stehen, die meisten barfuß. Dogitsch geht herum mit dem Ochsenziemer in der Hand, unsere Aufseher und Gendarmen teilen uns in Gruppen und dann marschieren wir ab. Die Arbeitsmoral ist sehr niedrig. Wer auf der Straße arbeitet, sucht Läuse, wer durch die Stadt geht, verschwindet entweder im Kafeehaus oder irgendwo, wo er betteln oder verdienen kann, wenn der Aufseher zum Bahnhof von 300 Leuten nur 80 bringt, flucht er wie zum Beispiel "Majku jim schwabskou jebem u dupy", oder etwas ähnlich ordinäres, und die Sache ist erledigt. Wieviel von uns hier sind, kann man nie feststellen, auch wenn wir hier noch fünf Jahre bleiben.

Dezember den 31.

Das Jahr ist zu Ende. Der Teufel soll es holen, unschöne Sachen hat es uns gebracht. Ich fliege in den Gedanken zurück, wie wir seinen Anfang begrüßt haben (wie ich mich erinnere, war es im Böhmischen Haus in Schönpriesen). Wut habe ich.

1915
Jänner den 1.

Neujahr - was steht uns diesmal zuvor ? Der Anfang war nicht gut. Ich trage den ganzen Tag Säcke am Bahnhof - konnte heute nicht verschwinden.

Jänner den 5.

Ich bin krank. Fieber wechselt mit Schüttelfrost, kann nicht essen, nur trinken möchte ich, aber unser Wasser tötet. Ich liege wie ein Hund auf dem Boden, niemand schaut mich an, niemand hilft. Übrigens bin ich nicht allein, mehr als die Hälfte der Mannschaft liegt. Epidemie. In der Stadt ist es nicht besser. Die Krankenhäuser sind überfüllt, Ärzte fehlen, als Krankenbetreuer dienen die Gefangenen, von denen der größte Teil nie im Leben einen Kranken in Sorge hatte. Aber sie bestehlen, darin sind sie Meister.

Jänner den 10.

Mir geht es bereits besser, kann aufstehen und gehen. Heute hat man mich schon zur Arbeit gejagt. Säcke mit Mehl tragen - kaum kann ich gehen. Ich habe mich zur Visite gemeldet. Man hat uns am Hof gereiht. Es kam der Dogitsch mit dem Ochsenziemer und die Visite hat begonnen: "Was fehlt dir ?" Bolí mene glava" -"Pizda ti ...." und der Ochsenziemer schwippt über den Rücken. Wir übrigen haben nicht länger gewartet und die Visite war zu Ende.

Jänner den 14.

Die erste Postkarte aus der Heimat. Bruder Karl schreibt: der Vater ist froh, dich in Sicherheit zu wissen. Wenn er aber ahnte welche Gefahren hier drohen. Täglich sterben Hunderte von Gefangenen im Dreck. Läuse gibt es in solchen Mengen, dass es nicht zum Aushalten ist. Das Hemd habe ich länger als einen Monat nicht mehr gewaschen. In den Krankenhäusern sterben die Leute ohne Hilfe, es gibt keine Ärzte, keine Arzneien, keine Betten, sogar nicht einmal Essen.

Jänner den 17.

Immer neue Nachrichten vom Frieden. Der Mangel wird immer größer. Es gibt kein Brot, manchmal ist es violett, manchmal gelb. Wir sind schon den 6. Tag ohne Menage, zuerst fehlte Holz, dann Wasser und jetzt Fleisch. Ich warte auf Geld aus der Heimat, aber vergeblich, hier stehlen es die Chargen.

Jänner den 23.

Täglich zur Arbeit, anstelle der Menage nur Pflaumenmus und Prügel. Ein Gefängnis gibt es hier nicht und das Gericht ist sehr einfach - fünfundzwanzig Schläge. Jeder, der sie bekommt, hat für ein paar Tage ein Andenken.

Jänner den 28.

Die Epidemie erreicht ihren Gipfel. Unsere überfüllten Ställe werden leerer, mehr als die Hälfte siedelte hinter die weiße Friedhofsmauer um. Leute, die abends voller Leben waren, stehen morgens nicht auf.

Feber den 5.

Wir haben hier Besuch einer griechischen Gräfin gehabt, sie brachte zwei Kisten Wäsche, Zucker und Tee mit. Ich bekam ein Hemd, zwei Taschentücher und Zucker. Wir pressen Heu und ich fahre mit Ochsen. Ab und zu bekomme ich eine Postkarte von zu Hause oder aus Aussig, aber die Post kommt sehr unregelmäßig.

Feber den 14.

Ich wurde als Krankenbetreuer ins Krankenhaus kommandiert, als ich aber die Unordnung dort sah, floh ich weg. Von 1200 Gefangenen hier in Skoplje blieb nur ein kleiner Haufen übrig.
Wieder ein paar Tage ohne Menage, verdorbener Käse und Pflaumenmus zum Mittagessen.

Feber den 26.

Wir fahren von Skoplje nach Djevdjekie ab. Es liegt dicht an der griechischen Grenze an der Bahnlinie Nisch - Skoplje - Saloniki. Es sind unser 15 hier und werden als Krankenbetreuer kommandiert. Es ist eine schöne Stadt, bewohnt von Türken, Bulgaren, Griechen und weiteren.
Das Wetter ist herrlich. Es sind hier etwa 500 Österreicher im Dienste der amerikanischen Ärztemission. Manche haben goldene Zeiten erlebt. Die Amerikaner haben alles Mögliche mitgebracht, Wäsche, Medikamente, Betten, Konserven, Zucker, Tee, Petroleum, Schuhe einfach alles. Sie beginnen Ordnung zu machen. Richten Krankenhäuser ein und trennen Verwundete von Typhuskranken.

Feber den 28.

Ich bin Krankenbetreuer. Das Krankenhaus ist ein ehemaliges türkisches Staatsmagazin, ein großes Haus mit 5 Stockwerken. Wir sind 5 Krankenbetreuer und haben über 80 Typhuskranke in Sorge. Ein schrecklicher Anblick. Meistens Serben, Rekruten, abgemagert mit abgefrorenen Füssen. Sie liegen auf Strohsäcken auf der Erde im Dreck, den ich im Leben nicht gesehen habe. Sie können sich nicht auf die Beine stellen und die Aborte sind weit - da die Decke aus Brettern ist, tropft auf sie von oben der Dreck, eben eine wahre Hölle. Täglich sterben 6 bis 8 von ihnen, auf ihre Plätze warten schon andere.
Die Läuse bewegen die ganze Baracke. Keine Medizin, der Arzt kommt einmal in drei Tagen. Wir haben viel zu tun. Die Menage tragen und zuteilen, aufräumen, Wasser in das dritte Stockwerk tragen, Umschläge anlegen. Ich weiß nicht, wie lang ich es aushalte, auch in der Nacht muss man Dienst halten und Umschläge anlegen. Und für alle diese Mühe hört man nur Schimpfworte und Sekkatur, den ganzen Tag über. Die Kroaten und Bosnier bestehlen die Toten, suchen die Toten durch - ich könnte sie nicht berühren, auch wenn sie Tausende hätten. Die Schuhe und die Bekleidung von ihnen verkaufen sie sofort.

März den 2 .

Ich habe Fieber 39 Grad, aber arbeite immer noch, ich fürchte mich liegen zu bleiben, denn von denen, die sich niederlegen, stehen nur sehr wenige wieder auf.

März den 22.

Endlich wieder bei Bewusstsein . Ich weiss nicht, was mit mir 20 Tage lang los war. Sieben Tage habe ich angeblich nichts eingenommen, dann nur Tee und Milch. Ich habe sogar 41 Grad Fieber gehabt. Langsam kam ich zum Bewusstsein. Ich wusste nicht, wo ich bin, wie ich heiße. Immer noch bin ich schwach, kann mich nicht auf die Beine stellen.

März den 25.

Langsam bekomme ich Kraft und auch Hunger. Ich könnte fünfmal so viel essen, als man mir gibt.
Den Mantel und Mundur hat man mir gestohlen, ich blieb nur in Unterwäshe. Auch die Geldtasche ist weg, hatte dort Briefe und etwa 4 Kronen. Die Tasche habe ich bei einem Serben gesehen, aber als ich sie zurück wollte, hat er mich geschlagen. Der Hunger ist ungeheuer, aber ich habe kein Geld. Für die letzten 2 Dinare habe ich Brot, gebratenes Fleisch und Wein gekauft.

März den 28.

Heute wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen und zum Kommando geschickt.
Starke Winde haben hier angefangen und vielen Kranken im Krankenhaus sind die Beine abgefroren.

April den 4.

Ich bin wieder Krankenbetreuer, diesmal im Hotel Magasin. Ein altes türkisches Tabakmagazin, in dem nur Verwundete oder Leute mit Frostwunden liegen. Die Ordnung ist hier besser. Die Amerikaner und unsere Leute haben es in den Händen. Arbeit genug aber Essen auch genug. Mir gefällt es hier. Im Garten blühen die Feigenbäume.

Eingeklebt ein Artikel aus der Zeitschrift Samostatnost (Selbständigkeit) vom 15.II. 1918:

Es gab keine Waffen, keine Bekleidung und Sanitätsmaterial, auch herrschte Mangel an Munition. Mangel an Transportmitteln verursachte schlechte Versorgung und die Folge war, dass wir aus großen Zentren, wo es für uns wirkliche Sympatien gab, in neu befreite serbische Kreise zersplittert waren, wo die Bevölkerung , im Grunde gut und slawisch gastfreundlich, jedoch nicht - meistens aus bloßer Unkenntnis - unseren Widerstandskampf in dem Maß begreifen konnte, wie er es verdient hätte. Nur wenigen glückte es, bereits in diesen Zeiten sich zwischen die heroischen Verteidiger der immer noch bedrohten kleinen serbischen Heimat einzureihen.
Dann aber schlich nach Serbien in unseren Fersen eine schreckliche Typhusepidemie ein. Wieviele tschechische Köpfe und Arme halfen in den serbischen ungenügenden Lazaretten und Krankenhäusern diesen zähen Feind zu besiegen! Und eben deshalb, weil wir diese Hilfe mit wahrem Verständnis, Opferwilligkeit und Liebe in den harten Bedingungen des Balkanlebens getan haben, starben Hunderte und Tausende unserer Leute Seite an Seite mit denen, die sich mit übermenschlicher Bemühung und mangelhaften Mitteln dieser Ansteckung gestellt haben. Kleine hölzerne Kreuze an den serbischen Friedhöfen erinnern an diese schreckliche Zeiten, aber diese unsere Bestrebungen und Tätigkeiten brachten uns einander näher mit ....(weitere Fortsetzung fehlt).
April den 20.

Die Amerikaner sind abgefahren und Doktor Borsitsch übernahm das Krankenhaus. Ein großer Alarm - die Bulgaren überfielen das serbische Heer bei Strumetz und töteten viele Menschen. Die Bevölkerung flieht aus Angst vor den Bulgaren. Wir bekamen einen vollen Zug der Verwundeten, aber in welchem Zustand. Bedeckt von Blut, ohne Bewusstsein, sterbend. Die ganze Nacht und den ganzen Tag waschen und verbinden wir sie. Viele von ihnen starben bereits in der ersten Nacht, einige sind in Agonie, andere tragen schreckliche Wunden. Einer erlitt 16 Bajonettstiche. Die Bulgaren benahmen sich wie Tiere.

April den 26.

Wir haben jetzt nur Verwundete. Wer Fieber bekommt, geht in ein anderes Lazarett. Mir geht es jetzt gut, alles gibt es im Überfluss, Milch, Tee und auch Eier. Nur selten bekomme ich etwas von Zuhause. Dauernd freue ich mich, dass bald Ende sein wird, aber die Zeitungen berichten über die Kriegserklärung durch Italien.

April den 30.

Ein neuer Sobar, ein Serbe, begann es streng zu nehmen, aber bald hat er nachgelassen. Ich entdeckte seine Ränke und er muss sein Maul halten. Ich habe mich mit dem Roubik bekanntgemacht. Der erste Transport zum Eisenbahnbau nach Knezevac fährt ab, wir werden alle mit der Zeit hinfahren.

Mai den 5.

Ich fahre von Djevdelije zum Bahnbau nach Nisch ab. Wir bekamen 2 Dinar Reisegeld. In Nisch unterwegs vom Bahnhof zum Pferdestall sind wir bis auf die Haut nass geworden. Hier sollen wir schlafen, und eine neue Überraschung - Flöhe. Groß wie die Fliegen und in einer halben
Stunde fängst du Hunderte von ihnen. An Schlaf kein Gedanke.9*

Mai den 7.

Wir bekamen jeder 3 Brote und ein Stück Selchfleisch auf den Weg und marschierten weiter über Nisch nach Kneževac. Die erste Nacht verbrachten wir im Wald. Ich fror durch bis auf die Knochen, ohne Mantel und Decke im nassen Gras. Die zweite Nacht war besser, wir schliefen in einer verlassenen Schule. Der Weg wird immer schwieriger, über Berge und Schluchten, die ich noch nie gesehen habe.

Mai den 15.

Nach zweitägiger Rast in Knaževac, wo wir in einer Cafeterie untergebracht worden waren und unter den Tischen schliefen, gehen wir zur Büro-Sektion. Jeder bekam ein Paar Sandalen und einige von uns aber auch ein paar Schläge mit dem Ochsenziemer. Gegen Abend erreichten wir Banitza, wo wir in warmen Quellen badeten und unsere Munduren in Kesseln auskochten. Als sie so einigermaßen trocken waren, gingen wir zur Übernachtung nach Ragosta, wo ich mit einigen Kameraden in einem Hühnerstall übernachtete.

Mai den 23.

Nach ganztägigem anstregendem und sehr gefährlichem Marsch sind wir zum Ziel gekommen und wurden in einer großen Grotte einquartiert, wo auch eine Küche eingerichtet ist. Ringsherum Felsen, oben ein Stück blauen Himmels, unten der wilde Fluss Timok, unsere Gefährten sind die Adler. Gras ist nicht zu sehen, lauter nackter Felsen, einfach Einöde. Die Pfade müssen wir aushauen, ein Fehlschritt genügt und man stürzt ab. Unser sind hier 35, meistens Tschechen, mit dem Zugsführer Roubik. Als Kommandant ist der Montenegriner Theodor Èejkoviè, erstklassiger Lümmel, sieht aus wie ein geflohener Häftling. Bekam sofort den Namen Räuber Babinsky und das passt sehr genau. Mit einem Ochsenziemer in der Hand ist er bereit mit Schlägen und Ohrfeigen sich Autorität zu verschaffen. Er wird zum Schrecken aller Leute.
Eine Bahnlinie wird hier gebaut, die über lauter Brücken, Tunnels und Böschungen führt. Alles muss mit Dynamit gesprengt werden, es ist eine sehr anstregende und gefährliche Arbeit. Wir schlafen wie Dachse im Felsen. Ich leide ohne Mantel und Decke an Kälte. Die Ernährung ist immer dieselbe, mittags und abends Bohnen und ein Stück Ziegenfleisch, früh eingebrannte Suppe und 1 Brot pro Tag.

Juni den 3.

Ich arbeite nicht mehr im Felsen, jeden Tag hole ich Brot und alles, was in der Küche für den Tag notwendig ist. Muss früh um 4 Uhr aufstehen, damit ich mit dem Fleisch bis 7 Uhr zurück bin. Vom Schlachthof bis Glisury wird es mit dem Wagen befördert, von dort müssen wir es eine Stunde lang auf dem Rücken über Felsen tragen.
Solange es nicht regnet, ist alles gut, wenn aber der Regen kommt, regnet es meistens mehrere Tage und da kann man die Beine nicht aus dem Kot ziehen.

Juni den 20.

Es kamen 120 neue Menschen hinzu und es wird fleißig gearbeitet. Der Lohn beträgt 50 Heller bis 1 Dinar, aber was hilfts, wenn man, außer Rakia, nichts kaufen kann. Die Sektion zahlt aus, wann sie will (wann sie Geld hat).

Juni den 28.

Heute wurden zwei Gefangene bei der Sprengung verwundet. Den ganzen Tag hört man nichts als Donnern. Anstatt Suppe bekommen wir morgens Powideln, die ausgezeichnet schmecken. Wir kochen Kaffee, Hunger haben wir nicht. Eines schätze ich - dass wir uns von den Läusen befreit haben, ab und zu erscheinen noch einige, aber doch haben wir es bereinigt. Dafür aber beginnen die Flöhe.

Juli den 12.

Unsere Mannschaft vergrößerte sich auf 300 Menschen. Sie kamen von Skoplje und Brtolje. Jeder hat schöne neue Schuhe, die von den amerikanischen Tschechen kamen. Es sind angeblich 30 Tausend Paare angekommen, aber die Tschechen bekamen so etwa 3 Tausend, die übrigen haben die Serben verkrämert. - Mit diesem Tranport sind auch der Šalomon Hruška und andere gekommen.

Juli den 25.

Ich habe eine Postkarte vom Bruder Karl erhalten, er wurde assentiert (muss einrücken). Von Zuhause kommt nur selten eine Nachricht, manchmal eine Karte, von Aussig von F. T. oder A. M. aber auch eine von S. F. Immer denken wir, dass vielleicht doch bald Ende wird, von der Welt hören wir aber nichts, wir leben hier wie auf einer wüsten Insel.
Man hat bereits ein provisorisches Gleis in Betrieb gesetzt, so dass wir das Brot auf kleinen Wagen transportieren. Jeden Tag kommt es zu Verletzungen bei den Sprengungen.

August den 10.

Tag für Tag vergehten und wir machen unsere Sklavenarbeit weiter. Nur der liebe Gott weiß, ob es uns beschieden ist, zurückzukehren. Hier ist der Mensch dauernd in Gefahr, durch einen Stein getroffen zu werden.

August den 25.

Babinsky hat von mir für 5 Dinar meine nicht gehende Uhr erschlichen, ich habe jetzt 80 Heller.

September den 12.

Der Bau geht wunderbar vorwärts. Die Tunnels sind durchgebrochen, die hohen Brücken fertiggestellt. Diese kostspielige Bahnlinie entstand aus den Schwielen und dem Schweiß der Gefangenen. Leute, die nie im Leben eine ähnliche Arbeit gesehen haben, arbeiten mit dem Schlegel und Keil, als hätten sie es seit jeher getan. Hier fragt niemand nach deinem Beruf, du erhältst eine Kreuzhacke oder einen Schubkarren und los gehts!

September den 25.

Ich fahre nun nur für Fleisch und betreibe Handel mit Obst: Pflaumen, Birnen, Nüssen, Gurken aber auch mit Leberwürstchen, ich brachte deren 200 und im Nu waren sie weg.

Oktober den 2.

Heute Nacht flüchteten 7 Kerle nach Bulgarien. Es ist nicht weit dorthin, etwa 6 Stunden. Auch von den anderen Einheiten flüchten Leute. Ich habe Angst vor dem Winter, in diesen Gegenden ist er meistens sehr streng, ich habe mir eine Decke und eine Pelzjacke gekauft. Ich habe zweimal Geld von zuhause bekommen, einmal 10 Dinar und noch einmal 12.

Oktober den 6.

Es kommen Nachrichten über die Besetzung von Belgrad durch die Deutschen und eine Gegenaktion der Bulgaren. Es gibt viele Flüchtlinge und fast täglich Unglück, besonders in den Tunnels. Nachts hören wir Kanonenfeuer. Babinski versichert uns, dass die Bulgaren "hravi manvry" (Manöver machen). Wir sind aber der Meinung, dass es irgendwie stinkig wird.

Oktober den 10.

Heute Nacht gab es Alarm. Deutlich hörten wir Kanonenfeuer. Die Bulgaren stießen an der Grenze mit den Serben zusammen.
Aus Glysuca gingen 800 Leute nach Knaževac Schützengraben machen. Die Zivilbevölkerung flüchtet. Wir bekommen ein jeder zwei Decken, zwei Paar Sandalen, und Wäsche auf den Weg.

Oktober den 16.

Wir flüchten vor den Bulgaren, die schon in Knaževac sind. Um 11 Uhr kam der Befehl "Fliehen", die Menage haben wir ausgeschüttet, die Säcke auf den Rücken genommen und gehen nach Nisch. Alles Werkzeug trägt man mit, ebenso die Kazany (Kessel).
Es ist eine große Prozession, Gefangene, Serben, Zivilisten, die ganze Sektion, alles flüchtet durch die Tunnels - die Straße nach Nisch ist abgeschnitten.

Oktober den 19.

Wir haben Nisch erreicht. Die erste Nacht schlafen wir im Tunnel und morgens eilen über den Berg und nicht fertige Brücken in Richtung Gramada. Der Weg ist sehr gefährlich, wir tragen sämtliches Werkzeug und auch die schweren Kessel mit. In der zweiten Nacht fand ich im Sack mit der Post eine Karte von Zuhause an meinen Bruder Anton. Es stehen hier Wagen voller Brot und Fässer mit Pflaumenmus. Zur Übernachtung fahren wir in die Stadt und schlafen in einem Maschinenraum. In der Stadt herrscht großes Chaos und Panik, alles zieht um - die Regierung soll schon in Prokuplje sein.

Oktober den 20.

Wir lagern auf einer Wiese außerhalb der Stadt. Man brachte eine riesige Menge österreichischer Comodecken, die Gefangenen raufen um sie, ich habe auch ein Paar erwischt, jedenfalls um den Preis eines Hiebes mit dem Ochsenziemer.
Es sind hier 8 Tausend Gefangene versammelt. Neuerlich wird Brot und Pflaumenmus verteilt. Den ganzen Tag regnet es. Zur Nacht bin ich wieder in den Maschinenraum geflüchtet.

Oktober den 22.

Nach ganztägigem Marsch erreichten wir um 10 Uhr abends Prokuplje, wo man uns in Kaffee-Lokale gestampft hat. Wir schlafen aneinander gepresst auf bloßer Erde. Am nächsten Tag sind wir auf die Wiese umgezogen. Den ganzen Tag und die ganze Nacht regnet es, ich bin bis auf die Haut nass. Es regnet immer weiter, ich habe um 3 D Holz gekauft, entzünde ein kleines Feuer und trockne mich. Wir ziehen um auf eine andere Wiese.

Oktober den 25.

Wir erreichten auf unserem weiteren Weg Koršumlije, wo wir wieder in einem Kaffeelokal schlafen. Hier wurde unsere Gruppe geteilt, eine Hälfte geht mit Theodor irgendwohin Wege reparieren. Unsere Offiziere lagern hier. Es beginnt Not, Hunger und Läuse. Den ganzen Tag gehen wir über Berge, Wälder auf Wegen und Unwegen, in großem Morast und dauerdem Regen weiter. Abends sind wir in ein Dorf gekommen, aber für uns gibt es keinen Platz. Man führte uns wieder auf die Wiesen, ich sitze in einer Pfütze und zittere vor Kälte. Wenn es für eine Weile aufhörte zu regnen, machen wir mit großer Mühe ein Feuer, aber es kam ein Gewitter und wir mussten vor Überschwemmung fliehen. Die ganze Nacht donnert es und stürzt ein Wolkenbruch. Es ist eine der schlimmsten Nächte, die ich erlebt habe.
Morgens gehen wir weiter, meine durchnäßten Decken wiegen das dreifache, wir sind alle müde, nicht ausgeschlafen, hungrig. Bekommen ein halbes Brot pro Tag - Glück, dass ich eingespartes Geld habe.

Oktober den 28.

Priština. Nach zweitätigem sehr anstregendem Marsch über Wälder, Berge, Flüsse ohne Brücken sind wir bis hierher gekommen. Große Not ist ausgebrochen. Das Brot für 2 Tage ist leicht in einem aufgegessen und wenn du kaufen willst, musst du zwei bis drei Dinar zahlen. Die Leute verkaufen Wäsche, Decken, Schuhe für ein Stück Brot. Unsere Bewachung bestiehlt uns wie es möglich ist, sie erlaubt uns nicht etwas zu kaufen, bringen es selber und lassen sich alles zehnmal so teuer bezahlen.
Wir marschieren den ganzen Tag ohne Rast, wer zurück bleibt wird mit dem Stock oder Kolben geschlagen, mit dem Bajonett gestochen. Man darf kein Wasser trinken, dauernd wird gebrüllt - èetyry, èetyry. Die Straße ist überschwemmt, fast vier Stunden gehen wir bis zur Taille im Wasser.
Priština ist eine alte türkische Stadt, halb leer, sehr malerisch mit ihren vielen Moscheen. Wir schlafen in einem stinkenden Stall voller Mist, aber wir sind froh, dass wir unter (einem) Dach sind. Bekamen 2 Brote für 5 Tage.

Oktober den 30.

In der vorigen Nacht haben wir wieder im Regen geschlafen, unsere Bewacher rasen, wie die Wilden, schlagen uns, stoßen mit den Füßen, bestehlen uns. Abends sind wir nach Orechovac gekommen, übernachten einer an den anderen gepresst. Vom Schlafen keine Rede, weil wir nicht einmal sitzen können.

November den 2.

Das Ziel unseres gestrigen Marsches, Prisren sahen wir schon mittags. Eine schöne türkische Stadt mit einer großen türkischen Burg und großer Zahl von Moscheen, umgeben von hohen Bergen bietet einen herrlichen Anblick. Hier grenzen drei Territorien - Serbien, Montenegro und Albanien. Wir werden in riesigen türkischen Kasernen einquartiert. Liegen zwar auf Erde, aber sind glücklich, dass wir unter Dach sind und uns nach Belieben strecken können..Wir ruhen 2 Tage aus, ich nütze die Zeit zur Kontrolle meines Hemdes und, wenigstens einigermaßen, zur Beseitigung der weißen Parasiten.
Unsere Verpflegung bleibt immer dieselbe, 1 Brot pro 2 Tage. Wenn ich nicht mein Geld hätte, müsste ich wie die anderen die Decken oder Schuhe verkaufen und weiter barfuß laufen. Noch Glück, dass ich das Geld in Silber habe, Papiergeld will niemand. Schwer kann man es für 60 Dinar los werden. Man sagt, dass wir nach Draè gehen und von dort nach Italien! Alles egal, hauptsächlich wir entkommen den Händen der serbischen Lumpen.

November den 4.

Wir gehen weiter. Hören die bulgarische Kanonade von Skoplje und unser Kommandant befiehlt Eilmarsch. Schlafen auf dem Kosovo Pole. Kumanovo ist angeblich gefallen. Unser Weg führt über Berge und Schluchten. Die Albaner sind nicht böse Leute, aber sie haben selber Hunger.

November den 6.

Wir gehen immer durch eine Wildnis, keine Wege, hie und da eine zerschlagene Hütte, müssen dauernd bis zu den Knien waten, da es über die Bächer keine Brücken gibt. Täglich schlafen wir draußen im Regen. Sind glücklich, wenn wir abends ein Feuer anzünden können. Sehen wie Zigeuner aus, zerrissen, barfuß, hungrig und verlaust. Heute marschierten wir bis 10 Uhr abends bis in das Dorf Preškoplje, wo die Feldbäckereien sind.
Den ganzen Tag müssen wir warten, bis das Brot für uns gebacken wird, das wir wieder für 4 Tage bekommen, ich habe noch zwei hinzugekauft, so dass ich Vorrat habe.

November den 8.

Nach ganztägigem Kriechen von einem Berg auf einen anderen erreichten wir die Ortschaft Debra. Wir werden in alten türkischen, halb zerfallenen Kasernen untergebracht. Außer uns ist hier ein Transport gefangengenommener Bulgaren und einige Deutsche.Wir haben Hunger und die Serben nehmen uns die letzten Heller ab. Es ist schrecklich auf Gnade einigen Haderlumpen ausgeliefert zu sein, die dich bestehlen, ausziehen und totschlagen wann sie wollen. Ich halte mich immer vorne, wer zurück bleibt oder nicht weiter kann, wird geschlagen und beraubt, ich weiß aber nicht, wie lange mir die Kräfte noch reichen. Das Meer ist noch weit und die Not immer größer! Gott helfe mir!

November den 10.

Gestern wurde unsere Gruppe aufgeteilt, wir bekamen den Namen Radnitzer Zug und gehen eine Straße bauen. Als Kommandant wurde uns ein Professor, angeblich Žižkoviè, bestimmt. Ein Mensch mit Basiliskenaugen. Den ganzen Tag sind wir gegangen und abends erreichten in strömendem Regen ein Arnautendorf d.h. albanisches. Der Kommandant will uns in der Hütte einquartieren, aber die Arnauten (Albaner) haben die Tür geschlossen und wollen uns nicht hinein lassen. Nach langer und ergebnisloser Verhandlung haben die Bewacher das Tor aufgerissen und wir zogen ein. Aber wir sind weiter im Regen, da das Dach Löcher hat. Steblova, so heißt das Dorf, ist eine kleine Ortschaft, wir kaufen kirschengroße Kartoffel, die Arnauten verkaufen uns gebratene Kürbise und Maismehl, aber nur für Wäsche oder Schuhe. Eine Küche wurde hier eingerichtet, die zweimal täglich Wasser kocht, in dem ein wenig grünes Laub schwimmt. Brot gibt es nur manchmal. Eine Straße wird hier gebaut. Es begann zu frieren und der Schnee fällt, wir suchen nach Holz und nehmen die Zäune auseinander. Nach 3 Tagen findet man kein Stück eines Zaunes mehr. Die Albaner haben den Rest auseinandergenommen und versteckt. Ich koche aus dem Maismehl Sterz und andere Spezialitäten. Sie sind weder geschmalzen noch gesalzt, aber es schmeckt allen wunderbar, zu Hause möchte es kein Hund fressen.

November den 12.

Traurige Zeiten, schon 3 Tage gibt es kein Brot, keine Menage und wir sollen arbeiten. Es regnet, der Bach ist aus den Ufern getreten und die Versorgung kann nicht kommen. Eman Rùžièka ging in die Küche. Wir kochen Mais und Hagebutten. Ich gab Hemd und Unterhose für ein wenig Maismehl. Das serbische Geld wollen die Albaner nicht, unsere Kerle geben die letzten Decken für Mehl ab. Zur Arbeit will niemand gehen, wir murren: "Gebt uns Brot oder schießt uns nieder, so kann man nicht leben." Wir sind verzweifelt.

November den 16.

Heute endlich nach 6 Tagen kam Brot. Gott sei Dank! Pro fünf Tage haben wir 3/4 kg Brot bekommen, Menage gibt es immer noch keine. Hunger, nichts, nur Hunger. Es friert und die ganze Nacht schneit es, wir sind sehr hoch. Große Schneewehen und viele Leute sind barfuß.

November den 19.

Dauernd Frost und Schneefall. Heute kam wieder die Verpflegug, jeder bekam 3/4 kg Brot, aber völlig durchnässtes. In der Nacht wurde unsere Bewachung nach Debro abgerufen, wir bleiben hier verlassen und vielleicht verbleiben wir auch. Wir wissen nicht, wie vor Hunger weiter und dauernd schneit und friert es. Es kommen Nachrichten, dass Niš von den Bulgaren erobert wurde. Wir sind überzeugt, dass wir Italien nicht erreichen werden, wenn aber die Bulgaren nicht kommen, verhungern wir hier.

November den 20.

Um 12 Uhr nachts gab es Alarm, unser Kommandant Žižkoviè kam und gab Befehl zum Weitermarsch. Anstatt Brot auf den Weg müssen wir alles Werkzeug und die ganze Einrichtung der Küche tragen. Wir gehen nach Elbasan, steigen dauernd herab, es wird immer wärmer. Etwa um 9 Uhr merkte der Kommandant, dass einige Leute das Werkzeug weggeworfen haben, er befahl Halt zu machen, die ohne Werkzeug abzutrennen und befahl, jeden mit 25 Schlägen zu bestrafen..Es war ein schreckliches Theater. Mehr als 80 Leute standen hier, von denen die Mehrheit kein Werkzeug zu tragen hatte. Es half aber nichts, er blieb unbeugsam und verharrte. Ich war auch unter den "Schuldigen", aber es gelang mir, zu verschwinden. Jeder, dem bewiesen wurde, dass er die Brechstange weggeschmissen hat, bekam 50 Schläge und stand meistens nicht mehr auf. Nachmittags gingen wir an einem Maisfeld entlang und einige der hungrigen Leute pflückten ein paar Ähren. Deshalb, als wir abends Halt machten, berief er alle sechs Zugkommandanten zu sich (dazwischen auch Roubik und Salomon), befahl ihnen, sich auf die Straße zu legen und verurteilte sie zu 10 Schlägen. Letztendlich nahm er das Urteil zurück und entschied, dass als Strafe die Küche heute nicht kochen wird. Wir schlafen unter einem Schuppen.

November den 21.

Morgen gibt es Krautsuppe und um 6 Uhr brechen wir auf. Vor uns ist der Fluss Škomba, wir müssen ihn überqueren. Fast eine Viertelstunde waten wir bis zur Taile oder zur Brust in starkem Strom zum anderen Ufer. Einige von uns werden hingerissen und weggeschwemmt. Endlich sind wir am anderen Ufer, durchnässt und es friert. Wir steigen herab zum Tiefland bei schrecklichem Schneesturm auf einem engen Felspfad. Halten uns am Felsen an, um nicht in den strömenden Fluss abzustürzen. Endlich gelangen wir auf eine alte türkische Straße mit einem herrlichem Ausblick auf die Umgebung. Vom Süden die großen Bitolja-Eisgletscher und vom Norden die albanische Schneeplatte, gegenüber uns das Elbasanertal mit Palmen und Zypressenhainen. Aber wir haben kein Verständnis für diese Naturschönheiten, uns interessiert nur Elbasan mit dem dort wartenden Brot.
Endlich um 10 Uhr nachts sind wir dort eingetroffen, wo uns die Türken in der Stadt einquartiert haben. Ich liege in einer türkischen Moschee. Die Türken sind uns gegenüber sehr freundlich und sehr gutherzig. Die Stadt ist ein Eldorado für die Raucher, Tabak kostet hier 1 kg nur 2 Dinar 60 Para.

Weiter sind hier Zeitungsausschnitte mit einem Bild eingeklebt - ohne Angabe der Zeitschrift mit folgendem Wortlaut:

Die pfiffigen Albanier konnten wie immer die Situation ausnützen. Wenn sie in Anbetracht der zahlreichen Flüchtlingsgruppen sich nicht trauten zu töten und berauben, bestahlen sie uns auf andere Weise - sie verkauften uns die Nahrungsmittel. Hier ein Stück Brot, eigentlich einen harten muffigen Maisfladen widrigen Geschmacks, dort ein Stück Speck, anderswo wieder Maiskolben oder Kartoffeln - und das alles musste beinahe mit Gold ausgewogen werden. Das andere Geld verlor ganz den Wert. Wer Gold hatte, der konnte sich noch einigermaßen sattessen, schlimmer ging es den anderen mit montenegrischen oder serbischen Banknoten , die waren auf Gnade der anderen ausgeliefert.

Allerdings gab es auch Plätze, wo es nichts zu kaufen gab, da Albanien fast von denen ausgefressen war, die vor uns gegangen sind. Wir waren nämlich die letzten, denen es zu entfliehen gelang.
Wir mussten ganz Albanien durchqueren, ein Land das wohl heute noch weniger durchforscht ist, als Mittelafrika. Es gibt wohl keinen Forschungsreisenden, der es wagen würde, zwischen die unbezähmbaren albanischen Stämme zu reisen, die selber in dauerndem Streit und Kampf untereinander leben, wo das Menschenleben keinen Wert hat, wo der Albaner, wenn er ein neues Gewehr hat, es am ersten Menschen, den er begegnet, ausprobiert und bedauert eher die Patrone als sein Opfer.
Sehr schlimm war es mit dem Essen. Wenn jemand noch irgendwelche geringe Vorräte hatte, versteckte er sie eifersüchtig. Für ein ein Pfund wiegendes Stück Brot musste man 40 bis 50 Kronen zahlen und dabei musste man noch große Protektion und Gnade seitens des Verkaufenden haben.
Traurig war der Anblick auf die österreichischen Kriegsgefangenen - und es war unter ihnen ein großer Prozentsatz der Tschechen, die wohl freiwillig in die Gefangenschaft gegangen sind. Die wurden im allgemeinen Chaos ganz vergessen, um die kümmerte sich niemand. Sie schleppten sich durch die Straßen ausgehungert mit nur Fetzen der österreichischen Uniform, die nur spärlich ihren herabgekommenen Leib bedeckte, ähnelten sie eher den Skeletten als menschlichen Wesen und bettelten um ein Stück Brot.
(Beigefügt ein Zeitungsbild des Übergangs von etwa 6 Leuten und 3 Pferden über einen Gebirgskamm).
Anmerkung - Nach Letterart handelt es sich nicht um die Zeitschrift Samostatnost, eher um eine Bildzeitschrift..

November den 25.

Nicht nur Tabak, auch Brot und Fleisch sind hier billig. 1 kg Schafsfleisch kostet 70 Heller. Aber wieder ein Hindernis - die serbischen Banknoten haben keinen Wert. Bist froh, wenn du dafür 2 bis 3 Dinar bekommst. Täglich haben wir hier Menage und halbes Brot. Die Stadt ist voller Moscheeen, aber man findet hier auch Geschäfte, die auf europäische Art eingerichtet sind. Es wachsen hier Orangen-, Oliven- und Zypressenbäume. Leider kam am dritten Tag nach unserer Ankunft Frost und ein dreitägiger Schneefall, und mit den Orangen war Schluss.
Inzwischen kamen hier mehr als 2000 Gefangene an und erzählen, wie in den Bitolbergen viele von ihnen erfroren und umgekommen sind. In 5 bis 6 Tagen bekamen sie eine Schale Mehl und da sie kein Holz hatten, haben sie es so, wie sie es bekommen haben, gegessen.
Auch mein Freund Vlèek kam unter ihnen an. Ich war froh, dass ich noch Geld hatte und ihm Brot und für einige Tage auch die Menage kaufen konnte.
Debra haben angeblich die Bulgaren besetzt und Bitolj auch. Nach Draè können wir nicht gehen, wir müssen nach Valone und von dort angeblich nach Frankreich! Gott gebe, dass ich es aushalte!
Eine Krankheit verbreitete sich unter uns - angeblich Typhus, aber ich bin überzeugt, dass es vom Hunger ist.

Dezember den 2.

Gestern haben wir Elbasan verlassen. Die Stadt ist mit Gefangenen und Zivilisten überfüllt. 400 Mann mit Roubik gingen einen Weg reparieren.
Gleich in der Nähe der Stadt mussten wir den Fluss überqueren. Wir begegnen Karawanen mit amerikanischem Mehl, die von Draè kommen. Wir sind in einer albanischen Hütte untergebracht, die übrigen haben sich Deckungen errichtet. Wir sind wieder den zweiten Tag ohne Menage und Brot. Da wir vor Hunger nicht mehr wussten, was zu tun, haben wir mit Roubik ein Böcklein gefangen, geschlachtet und in der Nacht gekocht. Auch die andere Mannschaft klaut in der Umgebung Kälber, Puthähne und weiteres, die Albaner schießen nach ihnen aus Gewehren.

Dezember den 4.

Abends sind etwa 15 kranke österreichische Offfiziere gekommen und heute über 600, alle zerfetzt, hungrig, verkommen unter ihnen Oberleutnante. Die Kolonne reißt nicht ab. Tausende und Abertausende Gefangene kommen täglich durch, alle zerfetzt, barfuß, eher einem Zigeuner ähnlich, sie betteln, stehlen und jeder schaut nur vorwärts dem Meer entgegen - der Erlösung. Leider Hunderte von ihnen fallen vor Hunger, Erschöpfung oder Krankheiten um.
Für uns wird einmal in drei Tagen Suppe mit Zwieback gekocht, aber meistens kommt es zum Sturm auf die Kessel und Stockschläge müssen Ordnung schaffen.

Dezember den 7.

Gestern ist der Kommandant mit seinem Bruder angekommen und breitet Schrecken um sich. Etwa vier Ungarn haben in Elbasan die Schaufeln verkauft, wurden angezeigt und hier sollen sie bestraft werden. Er lässt sie für 3 Stunden an einen Baum fesseln bis sie in Ohnmacht fallen. Dann setzt er sie zum Tisch, unterhält sich mit ihnen und lässt sich von ihnen Geige spielen. Am nächsten Tag fesselt er sie wieder und amüsiert sich an der Folterung. Drei Gefangene, die von der Gruppe geflüchtet sind und zurückgebracht wurden, mussten sich ein Grab graben und er kommandierte Soldaten zu ihrer Hinrichtung. Den Tod hat er ihnen verziehen, aber sie wurden an den Baum gefesselt. Aber den Höhepunkt der Bestialität führte er heute vor. Die Köche, die kein Holz hatten, gingen um etwa 600 Schritte von der Küche einen Baum zu fällen. Žižkoviè hat sie gesehen, holte vom Zelt ein Gewehr und sagte, dass er es ausprobieren muss. Er zielte auf sie und schoss den Koch Janota in den Bauch. Als man ihn herbeischaffte, sagte er: "Die Hand ist mir gesunken, ich zielte auf den Kopf." Als der Mediker Krtièka aus Schlan um die Überführung ins Krankenhaus nach Elbasan bat, hat er abgelehnt und sagte: "Er soll sterben, genug Serben hat er getötet." Der arme Janota ist am nächsten Tag in furchtbaren Schmerzen gestorben. Einem solchen Unmenschen sind wir in die Hände ausgeliefert!

Dezember den 9.

Einmal in drei Tagen bekommen wir ein Stück Zwieback oder eine Hälfte Brot. Das Wetter ist angenehm warm. Wir gehen 4 km weiter, wo wir Deckungen bauen. Ich gehe 2 Stunden zu den albanischen Hütten, um etwas zum Essen aufzutreiben. Vergebliche Anstrengung! Schon von weitem ruft der Albaner "Ska iè buka" , droht mit dem Gewehr und lässt die Hunde los. Ich wundere mich nicht, die Gefangenen ziehen durch die Gegend wie die Räuber, überfallen in der Nacht die Hütten, stehlen Vieh, Geflügel, Mais. Riskieren das Leben, viele werden von den Albanern getötet, viele sterben vor Hunger in Schluchten und Sümpfen. Das sind keine Menschen mehr, das sind wilde hungrige Tiere, die den eigenen Freund für ein Stück Brot umbringen.

Ich sah folgendes Ereignis: Am Weg liegt ein Österreicher, bei ihm zwei Bosnier. Da kommt eine kleine Gruppe Tschechen: "Was macht ihr hier?" "Unser Bruder kann nich mehr". Der Kranke öffnet die Augen und flüstert: "Ich bin kein Bosnier, ich bin ein Tscheche, die wollen mich töten und berauben." Daraufhin haben die Stöcke auf den Rücken der Bosnier viel Arbeit. Überhaupt, ohne ordentlichen Stock geht hier niemand aus. Hier herrscht das Recht der Fäuste, das Recht des Stärkeren!

Eingeklebt ist ein Ausschnitt aus einer näher nicht bestimmten Zeitschrift. Auf der einen Seite ist das Bild "Vom Rückzug der serbischen Armee: eine notdürftige albanische Hütte, in der der serbische König Petar auf Stroh inmitten seiner Soldaten übernachtete."

Auf der anderen Seite ist folgender Text: Auf dieser improvisierten Landstraße konnte man nur in Gänseschritt und nur langsam vorwärts schreiten und jeden Schritt musste man genau bemessen. Jede Weile lag auf dem Weg ein Hindernis - ein gefallenes Pferd, das sich entweder die Beine gebrochen hat, oder nach einem falschen Schritt in den Sumpf geraten ist. Und so mehrten sich zu beiden Seiten der Straße krepierten Pferde, man musste über ganze Haufen der Aase schreiten, die Füße glitschten auf dem noch weichen Pferdefleisch, anderswo wieder alte Aase, umgeben von Wolken von Fliegen, schrecklich stinkend, hie und da noch ein Pferd, über das man schreiten musste, hob noch seinen Kopf und als ob es mit traurigem Blick um den Tod bitten möchte. Manchmal sah man die Albaner, wie sie von den Aasen Stücke Leder für ihre Sandalenschuhe herausschnitten.

Cholera, Hunger und Anstrengung forderten in den Reihen der Flüchtlinge immer neue und neue Opfer und wer von Müdigkeit gesunken ist, stand nicht mehr auf. Ähnlich den Reihen der Wahnsinnigen mit bestürztem Blick, selbst nahe dem Umfallen, gingen die Flüchtlinge an den Sterbenden vorbei, jeder kümmerte sich nur um sich selbst, der Selbsterhaltungstrieb beherrschte jeden. Vorwärts war die Parole, vorwärts solang ich nicht umfalle. Der Sohn hat seinen Vater vergessen, Bruder den Bruder, Freund den Freund. Nicht selten waren die Fälle, wenn die Mütter ihre Wickelkinder weggeworfen haben, um selbst leichter vorwärts zu kommen. Und die Gefallenen wurden sofort von den Albanern um das Letzte, was noch an ihnen geblieben ist, beraubt.

Schwer dem, der es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, sich den jämmerlichen Stand der nun fliehenden, einst so prachtvollen und siegreichen serbischen Armee, vorzustellen. Die Soldaten, eigentlich nur bloße mit gelber Haut überzogene Skelette, die schon zwei Monate auf der Flucht waren, gekleidet in verschmutzten Hadern, meistens barfuß, warfen ihre Waffen ab, wohl nicht einer von Hundert hatte noch sein Gewehr, und lautlos schleppten sie sich langsam vorwärts. Die Füße versankten bis zu den Knien in den Kot und nur langsam kam man vorwärts. Jeder warf alles, was überflüssig war, ab und mit der Zeit alles, außer den Resten von Nahrungsmitteln, die jeder, der noch welche hatte, für den äußersten Fall bewahrte.
Dezember den 11.

Wir liegen und erwarten ergeben den Tod vor Hunger, da wir bereits den dritten Tag nichts in den Mund bekommen haben.
Die serbische Kavallerie fährt vorbei, verelendet und erschöpft und die hat uns gerettet. Im kritischsten Augenblick hat uns Gott Hilfe geschickt. Am Weg liegen gefallene Pferde. Wir stürzen auf sie wie wilde Wölfe, schneiden Stücke Fleisch ab, machen Feuer kochen und selchen. Wir sind Dank der gefallenen Pferde gerettet. Das halbgeräucherte und halbrohe Stück Fleisch schmeckt als bestes Schweinefleisch. Wir haben auch Fleischstücke als Vorrat gebraten. Es war ein schreckliches Bild, jeder ist verblutet und schneidet, schlitzt. Der sucht das Herz, jener wieder versucht den Scheitel mit einem Stein zu zerschlagen, weil das Pferdegehirn besser als das vom Schwein sein soll!
Jedem strahlt aus den Augen Freude, denn heute konnte man sich endlich sattessen. Leider viele haben ihre Gefräßigkeit mit dem Leben bezahlt, auf weiterem Weg liegt jede 10 Schritte ein toter Österreicher oder Serbe, die hier unerkannt verschwinden, während ihre Lieben zu Hause vergeblich warten werden!

Dezember den 13.

Gestern sind wir nach Lešino gekommen und mussten abends den tiefen und reißenden Fluss Semeni durchwaden. Das Wasser, tief und wild, reicht mir bis zur Brust und eine Weile riss mich der Strom nieder, ich fiel in Ohnmacht und fühlte mich verloren. Da begann man von der anderen Seite, mich zu rufen und das brachte mich zu sich. Aber viele Gefangene blieben im Fluss und viele starben in der Nacht. Wir haben Feuer gemacht und trockneten uns die ganze Nacht. Morgens ließ uns der Kommandant zwei halbtote Schafe kochen, aus der Stadt brachte man Maisfladen, jeder bekam einen und weiter ging es. Angeblich nach Valona, wo bereits die Einschiffung begonnen haben sollte. Noch vor dem Abgang prügelte der Kommandat etwa 50 Leute, weil sie zu spät gekommen sind. Er schlägt sie mit dem Ochsenziemer ins Gesicht! Zur Nacht sind wir nach Ružné gekommen, wo uns die Stadt jedem einen halben Fladen gegeben hat. Die Kessel tragen wir mit, heute mein Zug. Die Ungarn stritten, niemand wollte sie tragen und der Kommandant befahl, jedem Mann 12 Schläge auszusetzen. Es war das erstemal im Serbien, als ich sie bekam, es war aber nicht so schlimm, da mich ein bekannter Bewacher schlug. Trotzdem, wenn ich ein Gewehr hätte, möchte ich den Lumpen Kommandaten erschießen. Er rast wie ein wütender Hund. Uns kommt es, so von dass er zeitweise wahnsinnig ist.

Dezember den 14.

Heute früh sind wir zeitig aufgebrochen. Unser Ziel sehen wir vor uns, dunkle Berge. Dort müssen wir abends sein. Da kein Weg hinführt, gehen wir geradeaus über die Sümpfe. Unser Zug trägt heute als Strafe wieder die Kessel, anfangs geht es gut, aber je weiter der Weg desto schwieriger, die Beine sinken im Kot, dauernd muss man breite Gräben überspringen. Es sind Reisfelder unter Wasser. Nachmittags gehen wir bis zu den Knöcheln im Wasser, später bis zu den Knien oder bis zur Taille! Die Beine sinken ein und dazu tragen wir die Kessel, die 80 kg wiegen. So gehen wir bis zum Abend, müde, resigniert, heute wundere ich mich, wo wir damals die Kraft genommen haben! Ich dachte an nichts, nur vorwärts hat es uns gezogen, dort hinter den Bergen ist die Erlösung. Viele Unglückliche blieben im Wasser, sie fielen hin vor Erschöpfung oder sind im Sumpf ertrunken. Ach Serbien, du hast viele von uns auf dem Gewissen! Abends sind wir an die Berge herangekommen und langsam hinauf geklettert und sahen ins breite Tal mit dem Fluss Semeni. Tausende Feuer leuchten an den Ufern, das sind Gefangene, die von Draè gekommen sind.

Dezember den 16.

Abends, als wir bis auf die Haut nass das Lager aufgeschlagen und Holz aufgetrieben haben, erließ Živkoviè den Befehl: nur ein Feuer pro Zug, das heißt für 80 Leute. Als aber die Gefangenen mehr Feuer angezündet haben, ging er in der Dunkelheit von einem zum anderem und schlug die Leute mit dem Ochsenziemer ins Gesicht. Es war ein schreckliches Theater, ich vergesse das bis zum Tod nicht. Ich wundere mich, dass sich unter den 400 Männern keiner gefunden hat, der ihn niedergeschlagen hätte. Wir waren jedoch alle schon so herabgekommen, dass uns alles egal war und wir haben nur den Tod als Erlösung gerufen! Er, bewußt sich seiner Verschulden, trachtete durch Grausamkeit seine Autorität zu erhalten und uns nach Valona zu bringen, um dort das Geld für unseren Unterhalt am ganzen Weg zu kassieren.
Als wir um 11 Uhr nachts zu einem breiten Fluss gekommen sind und ich keine Brücke sah, hatte ich Angst, dass wir wieder zum anderen Ufer werden waten müssen. Aber es sind Flösse hier und die Arnauten überführen. Um 11 Uhr nachts fahren wir auch zum anderen Ufer, wo Tausende von Gefangenen, die von Draè gekommen sind, lagern. Sie erzählen, wie sie dort amerikanisches Mehl und Brot bekommen haben, und wir hier sterben vor Hunger.
Draè wird aus der Luft und vom Meer bombardiert, es schiffen sich dort serbische Soldaten und Zivilisten für Korfu ein.

Dezember den 17.

Wir sind durch die Ortschaft Fiera gegangen, die voller italienischer Soldaten aller Waffengattungen ist. Was für ein Unterschied zwischen ihnen und uns! Sie sind gut bekleidet und auch gut ernährt, wir dagegen schauen wie Zigeuner aus, zerrissen, barfuß, abgebrannt. Am Weg liegen stinkende unsrige und serbische Leichen. Wir gehen schon 3 Stunden bis zu den Knöcheln im Wasser, kein Weg ist zu finden, wir müssen über Graben bis zur Taille im Wasser waten.
Nachmitttags sind wir zum Fluss Vojuša gekomen, auf der anderen Seite übernehmen uns schon die Italiener und nach Valona sind es nur 2 Tage. Ich bin glücklich, dass unsere Reise ein Ende findet und damit auch unsere Plagen. Aber auf den Ufern lagern mehrere Tausend hungrige Gefangene, da die Italiener täglich nur 1000 Männer überführen und uns sind hier 8000. Die Sektion kam mit uns, muss aber nach Draè und mit ihnen alle serbischen Soldaten. Theodor muss auch zurück, gut so. Hier herrschen große Not und Hunger. Breit und weit nichts zu finden, nicht einmal das Holz, wir brechen Dorne. Für serbisches Geld gibt niemand was, und wenn auch - ich habe nichts mehr. Hier gelten nur Liren. Niemand kümmert sich um uns, alle Hoffnungen fliegen nur zum anderen Ufer.

Dezember den 18.

Auf die heutige Nacht vergesse ich nicht, solange ich leben werde. Abends legte ich mich in einen Graben in Dorngebüsch, nachts kam ein Gewitter mit Schauerregen, weil ich müde war, wachte ich nicht auf, bis ich ganz im Wasser lag. Die ganze Nacht und den ganzen Tag regnet es, unsere Situation ist verzweifelt. Der Fluss schwoll an und machte das Überfahren unmöglich. Heute hat man 60 total erschöpfte Tote gefunden. Es ist ein schrecklicher Anblick für uns - jeder nur mit Fetzen bekleidet, barfuß mit angefrorenen Füßen, unrasiert, ungewaschen, all das Leiden des langen Weges im Gesicht. Nichts ist sicher, in der Nacht klaut man dir den Brotsack unter dem Kopf, die Decke, den Mantel und überhaupt alles, was du hast. Leuten, die vor Schwäche nicht mehr aufstehen können, zieht man Mantel und Schuhe aus und verkauft sie. 400 Leute aus der Raduèka-Gruppe tragen heute die Kessel und das Werkzeug zurück nach Fiera, wo es Živkoviè verkaufen wird.

Dezember den 19.

Dauernd regnet es und die Zahl der Toten wächst. Überfahren kann man nicht, der Fluss ist aus den Ufern gestiegen. Die Italiener brachten Fassung (Zuteilung) - eine Scheibe Zwieback - das ist die Ernährung für drei Tage. Am nächsten Tag haben wir jeder 2 Löffel Reis bekommen, wir kochen es, obzwar das Wasser schwer aufzutreiben ist und wenn, dann dreckig, Holz gibt es nicht. Gott erlöse uns!

Dezember den 20.

Heute hat man mehr als 200 Tote gefunden, die Not erreicht ihren Höhepunkt. Die Albaner kamen und brachten Broja. Wenn man gute Schuhe hat, bekommt man so ungefähr 1kg, aber man muss aufpassen, dass man dabei nicht überfallen und beraubt wird. Unser Kommandant ist heute weggegangen, Gott sei Dank, dass wir von diesem Unmenschen befreit sind. Die Zahl der Leute hier wächst dauernd, weil die Italiener täglich nur 600 Leute überführen. Die serbischen Soldaten bestehlen ganz offen. Wer gute Schuhe hat, den zwingen sie mit Schlägen zum Abgeben, sie stehlen und ziehen dir den Mantel ab, die Decke und überhaupt alles, was Wert hat. Die Fassung, die uns die Italiener schicken, stehlen sie und dann verkaufen - eine Scheibe für 3 Tscherek. Berufung gibt es nicht. Wovon wir leben? Wir kochen Tee von Himbeerblättern, suchen Schnecken, Schildkröten und graben kleine Wurzel aus. Ich habe gehört, dass irgendwo man sogar Menschenfleisch gegessen hat. Resigniert sehen wir der Zukunft entgegen, ist es uns beschieden hier langsam zu sterben, oder gelangen wir ans andere Ufer, wo die Erlösung auf uns wartet. Manche Leute sind wahnsinnig geworden, andere, die nicht mehr aufstehen können, baten um Erschlagung. Und immer regnet es, tagsüber und nachts. Das Wasser im Fluss steigt, unsere Fassung für morgen hat es weggeschwemmt.

Dezember den 21.

Heute fährt man nicht über, der Fluss ist aus den Ufern getreten. Es war ein großer Sturm mit Blitzen und Schauerregen. Wir sitzen im Wasser, morgens liegen auf den Ufern über 300 Tote. Und immer kommen Tausende neuer Gefangener. Heute haben wir eine Tasse Mehl für den ganzen Tag, es gibt kein Wasser zum Trinken, dort in der Pfütze, wo ich es schöpfte, liegen einige Tote. Dauernd regnet es. Ich beobachte einen, der neben mir liegt, und stirbt! Wann komme ich an die Reihe? Morgen? Übermorgen?

Dezember den 22.

Heute fährt man wieder über, aber nur die Kranken. Bei der Fähre spielen sich unvostellbare Szenen ab, die Leute drängen sich wie wahnsinnig, prügeln sich. Die Serben schlagen mit Stöcken und Kolben dazwischen. Viele Leute werden totgeschlagen, totgetreten oder fallen in den Fluss .
Jeder versucht, sich vor dem Hungertod zu retten. Unser Zug soll morgen an die Reihe kommen, für heute haben wir 3 Löffel Mehl bekommen und gehen, uns die Unterkunft im Dornbusch zu suchen. Ringsherum pfeifen die Kugeln der Albaner.

Dezember den 23.

Wieder sind wir nicht an die Reihe gekommen - immer noch werden die Kranken, deren es mehr als der Gesunden sind, übergefahren. Heute Nacht war ein ziemlich starker Frost, viele Leute waren halberfroren und mussten beim Gehen unterstüzt werden, damit sie sich erwärmen. Die Albaner geben ein Stück Broja für die Schuhe, ich musste meine Decke geben, um auch ein wenig zu bekommen. Die Leute irren umher wie wahnsinnige. Sie nagen an Blättern, Gras und Baumrinde. Morgen sollen wir bestimmt fahren.

Dezember den 24.

Dezember den 24.
Heiliger Abend - wie traurig und jammervoll. Ich faste total - unsere Fassung klaute der Zugführer. Morgens war ich schon dicht an der Fähre als der Befehl kam: Genug. Und ich musste zurück. Die Italiener werden angeblich Weihnachten feiern und deshalb nicht überfahren.
Gegen Abend merke ich, dass ich Fieber habe und krank bin. Ist es der Anfang vom Ende? Gott lasse es nicht zu, dass ich unterliege!
Wir haben zwei Scheiben Zwieback bekommen, aber ich kann nicht schlucken! Denke an die Heimat, ein so trauriger Heiliger Abend, ich liege erhitzt im Dorngebüsch und bete, wie nie im Leben! Was machen wohl jetzt die Eltern !

Dezember den 25.

Der erste Weihnachtsfeiertag! Radnitzerzug Antritt. Es geht mir besser. Stelle mich zur Abfahrt. Unser Zugsführer fehlt, wir fahren nicht, alle meine Kameraden fahren ab, nur ich bleibe hier.
Endlich soll ich mit dem 10. Zug einsteigen, aber als wir zur Fähre gekommen sind, wurde das weitere Überfahren eingestellt. Ich bin ganz verzweifelt und gebe die letzte Wäsche für ein Stück Broja und die letzten 3 Dinar. Nun bin ich ohne Heller.

Dezember den 26.

Heute fährt man wieder nicht. Hier erreicht der Schauder seinen Höhepunkt. Tote gibt es überall, niemand begräbt sie, schrecklicher Gestank steht in der Luft. Schwärme von Raben kreisen in der Luft, sie wittern reichen Schmaus.

Dezember den 27.

Heute fährt man immer noch nicht! Ich habe vollkommen die Hoffnung verloren und habe mich dem Schicksal ergeben. Die Serben stehlen, was noch übriggeblieben ist. Mehr als 2000 Leute zogen in die Wälder, aber sie kehrten wieder zurück - es ist dort zuviel Schnee und die Albaner schlagen sie tot und berauben sie. Angeblich haben sie auch den Žižkoviè totgeschlagen und beraubt.

Dezember den 28.

Gleich früh am Morgen war ich bei der Fähre vergeblich. Nachts war starker Frost, es gab 200 Tote, davon die Hälfte der Erfrorenen. Um 3 Uhr nachmittags kam unerwartet der Befehl "Einsteigen" und in einer Stunde überqueren wir den Fluss. Dank Dir, Gott - wir sind gerettet! Auf Niewiedersehen, verdammtes Serbien!

Eingeklebt ein Aufsatz aus der Zeitschrift Samostatnost (Selbständigkeit) vom 15. II. 1918:

Dann kam Albanien, die schrecklichen Aleen des Todes, wo der tschechische Mensch lieber den Tod in schrecklichster Form gewählt hat - den Tod vor Hunger - als die Rückkehr in die österreichische Armee. Als die Letzten sind wir durch das öde Albanien gegangen, mit Leichen haben wir den Weg ins Unbekannte über unzugängliche Berge markiert. Barfuß, hungrig und halbnackt schleppten wir uns - halbtot - nicht als lebendige Menschen, aber als elende menschenähnliche Wesen, die sich mit Gras, Baumrinde, Regenwürmen und ählichem ernährt haben - manchmal sogar, ohne zu übertreiben, mit Menschenfleisch - durch die Schluchten und Sümpfe zwischen den Flüssen Škumbi, Semeni und Voljuša.- Bittere Erinnerungen -.


Folgende:
Italienische
Gefangenschaft






 
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Introduction
In the Austrian
army
Serbian
captivity
Italian
captivity
French
captivity
original

Úvod
V rakouské
armádì
Srbské
zajetí
Italské
zajetí
Francouzské
zajetí


Einleitung
In österreichischer
Gefangenschaft
paralell


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